Zu wenig bezahlbarer Wohnraum – Auch Mitte der Gesellschaft betroffen

10. April 2019 von
Elke Köchy und Thomas Mertens in ihrem Wohnpark in Schöppenstedt, wo derzeit 20 weitere Wohneinheiten gebaut werden. Fotos (wenn nicht anders angegeben) und Podcast: Alexander Dontscheff
Schöppenstedt. Vergangene Woche berichteten wir, dass sich der sogenannte Soziale Wohnungsbau im Baugebiet "Östlich Fallsteinweg" verzögere, da der verantwortliche Investor auf bessere, vom Land in Aussicht gestellte Förderbedingungen warte. Als Reaktion auf diesen Artikel kontaktierte uns die Immobilien-Treuhand GmbH Schöppenstedt. Dort ist man nicht nur über die Aussagen des Investors irritiert, man stellt den Begriff "Sozialer Wohnungsbau" an sich in Frage.

„Mit dem Begriff Sozialer Wohnungsbau schwingen immer gleich Assoziationen zu sozial schwachen oder bedürftigen Bewohnern mit. Doch das führt auf eine völlig falsche Fährte“, betont Elke Köchy, Geschäftsführerin der Immobilien-Treuhand GmbH Schöppenstedt. Die Hürden eine Wohnung nach Fertigstellung zu bekommen seien recht gering angesetzt. Bei Familien mit zwei Kindern ist ein jährlicher Bruttolohn von zirka 51.000 Euro, ohne Kindergeld, so hoch angesetzt, dass zur Zielgruppe Menschen aus der Mitte der Gesellschaft gehörten. So hätte etwa ein Polizeibeamter im Mittleren Dienst als Einzelverdiener mit zwei Kinder durchaus Anspruch auf eine geförderte Wohnung. „Außerdem ist auch in den offiziellen Verlautbarungen nicht mehr von Sozialem sondern von Öffentlich gefördertem Wohnungsbau die Rede“, ergänzt Thomas Mertens, Projektentwickler der Immobilien-Treuhand. „Von sozial Bedürftigen in diesem Zusammenhang zu reden, ist für die Anspruchsberechtigten eine schallende Ohrfeige.“

Geförderter Wohnbau in der Mitte der Gesellschaft angekommen:

Thomas Mertens, Projektentwickler der Immobilien-Treuhand GmbH Schöppenstedt. Foto: privat

Thomas Mertens betont auch, dass in den letzten Jahrzehnten vieles versäumt wurde, um weiterhin ausreichend bezahlbaren Wohnraum anbieten zu können. „Die Strukturen fliegen uns jetzt um die Ohren. Das spüren wir sogar hier in Ampleben (dem Firmensitz der Immobilien-Treuhand, Anmerkung des Verfassers). Die Oberzentren Braunschweig und Wolfsburg strahlen bis in die Peripherie“, betont Mertens.

Kein Nachschub an bezahlbaren Wohnungen:

Das Problem sei, dass in den letzen Jahren und Jahrzehnten die Förderprogramme zwar existiert hätten, diese aber nicht genutzt worden seien. Für die Wohnungsbauunternehmen sei es lukrativer gewesen, Wohnungen ohne Sozialbindung für den freien Markt zu bauen. Da viele Sozialwohnungen nach Ablauf der Belegungsbindung in den freien Markt übergegangen seien, andererseits aber keine neuen gebaut wurden, stehe man nun vor einer großen Lücke, so Mertens. Und daran hätten sich nicht nur die privaten Unternehmen beteiligt, sondern auch die Bau- und Wohngenossenschaften, die zum Teil unter Aufsicht der Kommunen stehen und in deren Aufsichtsräten auch regionale Politiker vertreten seien.

Im Wohnpark Stufenlos in Schöppenstedt haben die Bewohner ein harmonisches Miteinander und zudem eine gute Anbindung. Der Bahnhof ist gleich nebenan.

Dass es auch anders geht, wolle man mit dem eigenen Unternehmen zeigen. So habe man vor fünf Jahren den Wohnpark Stufenlos in Schöppenstedt als innerstädtisches Quartier entwickelt. 32 Wohnungen als Doppelhaushälften für Senioren und Menschen mit Behinderungen seien hier entstanden. Derzeit würden 20 weitere Wohneinheiten gebaut. „Zuerst sind wir mit der Idee beim Landkreis auf taube Ohren gestoßen“, berichtet Elke Köchy. „Doch nachdem wir binnen kürzester Zeit eine Vielzahl von Interessenten aus ganz Deutschland präsentieren konnten, bekamen wir die Genehmigung.“ Gerade in Zeiten des demographischen Wandels werde das mangelnde Angebot an Senioren-tauglichen Wohnungen mit guter Anbindung an das öffentliche Leben zum Problem, so Köchy.

Angesichts der derzeitigen Lage könne sie Aussagen wie die des Investors im Baugebiet „Östlich Fallsteinweg“, man wolle auf bessere Förderbedingungen warten, nicht verstehen. „Entweder mache ich es, oder ich lasse es“, betont Köchy. Zumal es unwahrscheinlich sei, dass man im September mit dem Bau beginnen könne, wenn jetzt noch nicht einmal ein Förderantrag gestellt worden sei. Dies könne durchaus ein Dreivierteljahr dauern.

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