WolfenbüttelHeute-PODCAST: Partei-Rentner wird Pirat – Volker Fritz gab Parteivorsitz der RRP Wolfenbüttel auf

20. April 2012 von

Volker Fritz und Werner Heise. Foto: Marc Angerstein

Wer denkt, ein politischer Pirat hätte ein Laptop und wäre ganztägig am skypen, der irrt gewaltig: Volker Fritz ist 68 Jahre alt und inzwischen überzeugter Pirat. Er war es, der den Wolfenbütteler Piraten erklärte, dass Kommunikation nicht allein „mailen“ heißt. „Wir haben uns in der gesamten Partei überwiegend per e-mail unterhalten, seitdem Volker Fritz und seine Frau Renate bei uns sind, gibt es im zweiwöchigen Rhythmus einen Piraten-Stammtisch und wir tauschen uns intensiv im persönlichen Gespräch aus“, berichtet Piraten-Kreis-Vorsitzender Werner Heise.

Was erstaunt: Bis vor wenigen Wochen war Volker Fritz selbst noch Kreis-Vorsitzender und sogar stellvertretender Landes-Vorsitzender, aber einer anderen Partei. Die Rentnerinnen und Rentner-Partei (RRP) brachte er in der Lessingstadt von null auf immerhin 54 Mitglieder, 480 Partei-Rentner waren es landesweit. „Wir waren in Wolfenbüttel der erfolgreichste Kreisverband in Niedersachsen“, berichtet er stolz.

Inzwischen hält er die RRP aber von anderen Parteien unterlaufen. „Die versuchen zu verhindern, dass wir weiter rasant wachsen“, meint der Ex-Kreis-Vorsitzende. Seine Frau nickt. Der demografische Wandel würde für ein schnelles Wachsen der Alten-Partei sprechen und somit wären die rüstigen Politiker eine ernstzunehmende Gefahr für die etablierten Parteien, die bewusst ihre Senioren in die RRP geschickt hätten, um sie kaputt zu machen. Dies ist offensichtlich gelungen, 48 Austritte hätte es bisher in Wolfenbüttel gegeben. Insgesamt vier Senioren seien danach der Piraten-Partei beigetreten. Volker Fritz mit seiner Frau und ein weiteres Ehepaar.

Schon während des letzten Wahlkampfes standen Fritz und Heise in der Langen Herzogstraße nebeneinander. Obwohl es Streit um den Standort der jeweiligen Wahlkampfstände gegeben hatte, bezeichnet der rüstige Herr „die freundliche Art von Werner Heise“ als Initialzündung, um sich mal mit „diesen Piraten“ zu beschäftigen. Offen und Unvoreingenommen seien sie ihm erschienen. Aus reinem Interesse sei das Ehepaar Fritz dann nach Offenbach zum Bundesparteitag der Piraten-Partei gefahren. Anders als gedacht, anders als die mediale Darstellung und die öffentliche Meinung, habe Volker Fritz dann die Piraten erlebt: „Professionell und hochgradig diszipliniert.“

Als er feststellte, das Fachwissen in sozialen Fragen, speziell zu Fragen der Rente und Altersversorgung von jungen Menschen, unterrepräsentiert sei, habe er sich mit seiner Frau spontan dazu entschlossen Pirat zu werden. „Wir sind froh, dass uns das Ehepaar Fritz in diesen Fachthemen inhaltlich unterstützt“, sagt Kreis-Partei-Chef  Heise. „Alle Piraten sind dankbar für seine Fachexpertise.“

Ein politisches Mandat strebt der eloquente Herr nicht mehr an, weder auf kommunaler, noch auf Landes- oder Bundesebene, was bei den Piraten ja durchaus möglich und bei entsprechenden Wahlergebnissen auch realistisch wäre. „Ich möchte die Piraten fachlich beraten, und halte es für einen großen Gewinn, wenn die Probleme der Gesellschaft insbesondere bei der Rente offen benannt werden“, so Fritz. Er kritisiert die fehlende Transparenz bei dringenden politischen Fragen und wirft auch der Bundesagentur für Arbeit Tricksereien bei der Arbeitslosenstatistik vor. „Die Piratenpartei ist die einzige Partei, die offen und ehrlich mit den Zahlen und Problemen umgeht“, meint Volker Fritz. Deshalb möchte er keine Partei-Karriere, sondern noch weitere Rentner zu Piraten machen…

Marc Angerstein im Gespräch mit Volker Fritz und Werner Heise:

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