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So sieht die Politik das Hundeparadies für Wolfenbüttel

27. November 2017 von
regionalHeute.de hat bei den Fraktionen nachgefragt, warum sie sich für oder gegen den Hundetrainingsplatz ausgesprochen haben. Foto: Anke Donner
Wolfenbüttel. Würde es nach Vanessa Lange gehen, könnten schon bald Hunde auf dem Gelände der Gärtnerei Plagge herumtollen. Doch ein von ihr gestellter Antrag zur Umnutzung des Geländes wurde von den politischen Gremien abgelehnt. regionalHeute.de fragte bei den Fraktionen nach, warum sie sich für oder auch gegen das Projekt ausgesprochen haben.

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Sowohl der Ortsrat, als auch der städtische Bauausschuss hatten sich gegen die Umnutzung ausgesprochen. Als Begründung wurde genannt, dass die Nutzung des ehemaligen Gärtnerei-Geländes nur der landschaftlichen oder gartenbaulichen Arbeit dienen soll. So wurde es im Flächennutzungsplan festgehalten. Zudem wurden Bedenken wegen der Lärmbelästigung geäußert. Wie die Antragstellerin Vanessa Lange erklärte, sei sie auch hier zu einem Kompromiss bereit gewesen. Sie hätte, um eventuelle Lärmbelästigungen auszuschließen, auch ganzjährig in der Halle trainiert.

Auch wurden laut Verwaltungsvorlage Bedenken bezüglich der Hallenhöhe geäußert. Diese war in der Vorlage mit acht Metern angegeben und wäre so weithin sichtbar und landschaftsprägender als die jetzige Gärtnerei. Hierzu wies Vanessa Lange daraufhin, dass sie auch mit einer niedrigeren Halle auskommen würde. Die Höhe könnte, am derzeitigen Bestand orientiert, auch auf maximal fünf Meter begrenzt werden, sagt sie. 

Kompromisse nicht berücksichtigt

Vanessa Lange würde gerne einen Hundetrainingsplatz eröffnen.

Auch könne sie die Begründung bezüglich des fehlenden Fußweges nicht nachvollziehen. „Die Erschließung des Geländes für das geplante Hundesportzentrum wäre durch die bestehenden Verkehrsanlagen genauso ausreichend gesichert gewesen, wie sie es jahrelang für den ehemaligen Gärtnereibetrieb war“, so Vanessa Lange. „Um seitens der Stadt auch Angebote für Hundebesitzer zu haben, habe ich auch angeboten, eine natürlich zur kostenfreien Nutzung eingezäunte Freilauffläche einzurichten“, erklärt sie weiter. 

Alternativen haben man seitens der Stadt nicht wirklich angeboten. „Auch für die Gewerbegebiete hatte ich angefragt, dort war aber nur nicht störendes oder produzierendes Gewerbe gewünscht. Mir wurde auf Nachfrage eine kleine Fläche angeboten, die aber leider „unter Wasser“ stand“, gibt Vanessa Lange an, die noch immer der Meinung ist, dass ihre Vorschläge nicht ausreichend berücksichtigt worden sein. „Von der Verwaltung waren auch Vorschläge zu alternativen Nachnutzungen gewünscht, die für den Falle einer Betriebsaufgabe im Bebauungsplan hätten festgesetzt werden sollen. Die von mir eingereichten Vorschläge wurden nicht diskutiert, sondern in der Entscheidungsvorlage ohne weitere Abstimmung als meine Planung bzw. Forderung dargestellt“, schließt Vanessa Lange. 

Politik ist geteilter Meinung

Die Politik in der Stadt ist geteilter Meinung, was die Entstehung eines Hundezentrums in Fümmelse angeht. Zwar stehe man der Idee recht positiv entgegen, aber eine Nutzung für das Vorhaben auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei sehe man als schwierig an. Dennoch gibt es offenbar positive Signale – die Gruppe Linke/Piraten, die FDP und die Grünen wollen das Thema an anderer Stelle noch einmal diskutiert wissen. 

Winfried Pink, Fraktionsvorsitzender der CDU im Rat der Stadt:

Winfried Pink. Foto: Anke Donner

„Die CDU-Fraktion hat sich intensiv mit dieser Vorlage der Verwaltung und dem Antrag zur Errichtung einer Hundeschule bzw. eines „Hundezentrums“ beschäftigt. Viele von uns waren zunächst begeistert von der grundsätzlichen Idee und sind es auch immer noch. Nur nicht an dieser Stelle. Wir haben uns für unsere Entscheidung weitere Informationen aus der Bauverwaltung eingeholt und müssen feststellen, dass die Errichtung an diesem Ort dem gültigen Baurecht widerspricht und nicht ohne weiteres geändert werden kann. Es gibt Gewerbegrundstücke mit Nutzungseinschränkungen. Und dieses ist eines davon. Wäre eine Bau- und Betriebsgenehmigung erteilt worden, könnte eine höher angesiedelte Genehmigungsbehörde diese widerrufen. Die uns vorgelegte Anträge und Änderungsvorschläge lagen der CDU – Fraktion vor. Wir haben aber erst mit dieser Vorlage vom 25.10.17 Kenntnis über das Projekt erlangt. Wer aus der „Politik“ vor zwei Jahren begeistert zugestimmt hat, wie es im Interview gesagt wird, möchte ich gern wissen. Ich möchte weiterhin unsere Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück anbieten. Ich bin selbst wie viele andere Ratskollegen Hundebesitzer und würde eine Realisierung begrüßen.“

Ralf Achilles, Fraktionsvorsitzender der SPD im Rat der Stadt:

Ralf Achilles. Foto: Privat

Ralf Achilles teilte auf Nachfrage mit, dass er sich nicht auf eine Auseinandersetzung mit der Antragstellerin einlassen möchte. Achilles erklärte aber dennoch, dass der Antrag in der Fraktion und im Fachausschuss thematisiert worden war und zwar mit allen bis zum Zeitpunkt der Entscheidung vorliegenden Vorschlägen. Darüber hinaus hatte auch der Ortsrat Fümmelse sich gegen einen Hundetrainingsplatz ausgesprochen. Die Bedenken der Antragstellerin seien aus ihrer emotionalen Sicht nachvollziehbar, würden aber laut Achilles nicht den Tatsachen entsprechen.

Pierre Balder, Fraktion der FDP im Rat der Stadt:

Pierre Balder, FDP. Foto: Christina Balder

Auch der FDP wurde das Schreiben der Antragstellerin vorgelegt, teilt Pierre Balder auf Nachfrage mit. Die dortigen Ausführungen und Kompromissvorschläge würden aus Sicht der FDP auch eher für das Projekt sprechen. Die FDP hatte im Bauausschuss nicht abgestimmt, da sie als kleinste Fraktion dort kein Stimmrecht haben. „Wir stehen der Einrichtung des Hundetrainingsplatzes offen gegenüber. Städteplanerisch kann ein solches Vorhaben außerhalb des eigentlichen Stadtgebietes auch durchaus sinnvoller sein als in direkter Nachbarschaft zu Wohnbebauung. Der nun absehbare Beschluss, weiterhin nur Landwirtschaft oder einen Gärtnereibetrieb zuzulassen, kann gegebenenfalls in einer dauerhaften Brache resultieren. Demgegenüber sollte die Stadt die Bereitschaft, zu gründen, ein Angebot für die Einwohner zu schaffen und dabei die unternehmerischen Risiken zu tragen, doch eher unterstützen. Da die Verwaltung auf ausreichend vorhandene Flächen innerhalb der Stadt verweist, sollte sie die Antragstellerin zumindest beim Finden einer passenden Alternative unterstützen“, so Balder. 

Florian Röpke, Gruppe Linke/Piraten im Rat der Stadt:

Florian Röpke. Foto: Ralph-Fischer-Design

Auch der Gruppe Linke/Piraten wurden die Kompromissvorschläge der Antragstellerin weitergeleitet und in der Entscheidungsfindung berücksichtigt, so Röpke. Im Bauausschuss hatte er dann gegen den Beschlussvorschlag und sich somit für das Vorhaben ausgesprochen. 

„Insgesamt konnte ich der Argumentation der Vorlage zwar folgen, überzeugt hat sie mich aber schlussendlich nicht. Mir persönlich hat einfach das schlagende Argument dafür gefehlt, warum das Vorhaben abzulehnen sei. Ja, die Fläche ist für diese Nutzung nicht vorgesehen, das ist so und da hätte man folglich den Flächennutzungsplan ändern müssen. Nun ist es aber auch so, dass das Gelände seit einiger Zeit brach liegt und eine vernünftige Nachnutzung im vorgesehenen Sinne nicht in Sicht ist. Mir hat das Vorhaben zugesagt, es hat alles in allem Sinn ergeben, auch wenn einiges noch zu diskutieren gewesen wäre. Demnach habe ich Dienstag im Bauausschuss gegen den Beschlussvorschlag gestimmt“, teilt Röpke auf Nachfrage mit. 

Klaus-Dieter Heid, Fraktionsvorsitzender der AfD im Rat der Stadt:

Klaus-Dieter Heid. Foto: Privat

„Das bislang als landwirtschaftliche Nutzungsfläche ausgewiesene Gebiete sollte nicht „zersiedelt“ werden, zumal es eine geringe Nähe zu nächsten bebauten Gebieten gibt – zirka 900 Meter. Anpassungen müssten auch infrastrukturell erfolgen, sofern dem Änderungsvorschlag zugestimmt würde. Die städtebauliche Kompaktheit würde nicht mehr gegeben sein. Änderungsvorschläge lagen uns vor, ändern allerdings nichts an unserer Feststellung, dass in diesem Fall der städtischen Planung vertraut werden darf, die langfristige Nutzungsinteressen und den Erhalt ökologischer Strukturen vor wirtschaftliche Interessen einzelner Bedarfe zu stellen. Aus den genannten Gründen hat sich unsere Fraktion für den Beschlussvorschlag und damit gegen die Einleitung eines Bauleitverfahrens ausgesprochen“, so Heid. 

Jürgen Selke-Witzel, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt: 

Jürgen Selke-Witzel, Grüne. Foto: Privat

Jürgen Selke-Witzel Foto: Privat

Die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen hatte in der Sitzung des Ausschusses für Bauen, Stadtentwicklung und Bauen für den Hundeplatz gestimmt. Wie Jürgen Selke-Witzel auf Nachfrage von regionalHeute.de erklärt, habe die Fraktion vor allem aus zwei Gründen für die Einrichtung der beantragten Hundeschule auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Plagge gestimmt. „Das Gelände verwahrlost und wird zunehmend zum Schandfleck zwischen den beliebten Ausflugsziel Fümmelsee mit Gastronomie „Fümmelsee Terrassen“ und dem Friedhof von Groß Stöckheim. Deshalb erscheint uns die Nachnutzung dieses Geländes als Hundeschule plausibel. In der heutigen Gesellschaft besitzen viele Menschen einen Hund. Ihnen einen Schulungsort auch innerhalb Wolfenbüttels zu ermöglichen, zumal der ehemalige Hundeübungsplatz am Wasserturm vor einiger Zeit weggefallen ist, war für uns Grünen der zweite Grund für die Einrichtung einer Hundeschule an diesem Ort zu stimmen. Außerdem hatte Frau Lange noch in einem Brief an die Ratsmitglieder Kompromiss- und Verhandlungsbereitschaft erkennen lassen. Unser Anliegen ist es deshalb die Verwaltung zu bitten, noch einmal mit Frau Lange zusammen einen für beide Seiten vertretbaren Kompromiss zu erarbeiten“, so Selke-Witzel.

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