NGG: 52 Prozent profitieren nicht vom neuen Teilzeit-Gesetz

11. Oktober 2018
Mehr Zeit für die Familie – diese Möglichkeit soll die sogenannte Brückenteilzeit bieten. Doch das Gesetz dürfte an einem Großteil der Beschäftigten vorbeigehen, warnt die Gewerkschaft NGG. Foto: NGG
Wolfenbüttel. Mal etwas weniger arbeiten, um Zeit für Kinder, Angehörige oder auch sich selbst zu haben – danach aber wieder voll in den Beruf einsteigen: Für Tausende Beschäftigte im Kreis Wolfenbüttel soll das ab 2019 per Gesetz möglich sein. Tatsächlich dürften jedoch 15.600 Arbeitnehmer im Landkreis nicht vom sogenannten Rückkehrrecht in Vollzeit profitieren. Das teilt die NGG-Region Süd-Ost-Niedersachsen-Harz mit.

Der Grund: Die Betriebe haben weniger als 45 Mitarbeiter. „Das sind 52 Prozent aller Beschäftigten, an denen das Gesetz komplett vorbeigeht“, kritisiert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Die NGG Süd-Ost-Niedersachsen-Harz beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Ein Großteil der Beschäftigten in Bäckereien und Metzgereien dürfte danach nichts von der geplanten Brückenteilzeit haben. Im Gastgewerbe wären laut Statistik im Kreis Wolfenbüttel sogar 89 Prozent des Personals vom Gesetz ausgenommen.

Untergrenze macht Teilzeit-Novelle zur Makulatur

Auf die Untergrenze von 45 Beschäftigten hatte sich die Große Koalition verständigt. Die Unionsparteien setzten sich in diesem Punkt gegen die SPD durch. Das Gesetz soll noch im Oktober den Bundestag passieren. „In den vielen Kleinbetrieben im Handwerk und in der Gastronomie ist die Teilzeit-Novelle damit reine Makulatur“, sagt NGG-Geschäftsführer Manfred Tessmann. Er ruft die heimischen Bundestagsabgeordneten dazu auf, sich in Berlin für Änderungen am Gesetz stark zu machen. „Die Einschränkung für kleine Betriebe muss wegfallen“, so Tessmann. Denn die Idee der Reform gehe in die richtige Richtung: „Tausende wünschen sich mehr Souveränität bei der Arbeitszeit.“

Hinzu kommt: Rund 14.000 Beschäftigte im Kreis Wolfenbüttel arbeiten bereits jetzt in Teilzeit. Nach Angaben der Arbeitsagentur ist ihre Zahl in den letzten zehn Jahren um 24 Prozent gestiegen. „Diesen Menschen bringt das Gesetz auch keine Verbesserungen“, bemängelt Tessmann. Denn einen Anspruch auf eine Vollzeit-Stelle habe nach den Plänen der GroKo nur, wer vorher schon einmal in Vollzeit gearbeitet hat. Das sei aber in vielen Branchen die Ausnahme. So liegt die Teilzeitquote hier laut Statistik bei 47 Prozent. In Hotels, Pensionen und Restaurants ist der Anteil mit 78 Prozent besonders hoch.

Kaum Hilfe gegen Altersarmut

Nach Einschätzung der NGG hilft das Gesetz auch kaum gegen Altersarmut, von der Frauen besonders häufig betroffen sind. „Denn Frauen arbeiten überdurchschnittlich oft in Kleinbetrieben – oder haben seit vielen Jahren nur einen Halbtagsjob“, so Tessmann.

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