Mehr Fälle von Kinderpornographie: Polizei warnt vor Sorglosigkeit

19. Juli 2019 von
Alexander Hofmann und Ralf Pelle müssen im Kampf gegen Kinderpornographie viele Daten auswerten. Fotos und Podcast: Alexander Dontscheff
Region. Wir haben erst Juli und die Zahl der Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornographie hat sich im Bereich der Polizeiinspektion (PI) Salzgitter/Peine/Wolfenbüttel bereits fast verdoppelt. In einem Pressegespräch am heutigen Freitag informierte die Polizei zum Thema, um die Bevölkerung mehr für die Problematik zu sensibilisieren.

„Die Leute sollen aufmerksamer werden und nicht glauben, man könne sich alles aus dem Internet herunterladen und werde nicht erwischt“, betonte Fachkommissariatsleiter Arno Festerling. Das Risiko entdeckt zu werden, sei größer als viele denken. Oft blicke er in völlig erstaunte Gesichter, wenn er mit einem Durchsuchungsbeschluss in der Hand vor der Haustür stehe.

Messenger-Dienste im Fokus

Waren es im Jahr 2018 35 Ermittlungsfahren im Bereich der PI, sind es jetzt schon 65. Ralf Pelle und Alexander Hofmann, die die Ermittlungen in diesem Bereich leiten, betonen, dass sich bereits derjenige strafbar macht, der ein kinderpornographisches Bild herunterlädt oder auf dem Handy oder Computer gespeichert hat. Aktuell machten vor allem die vielen Gruppen in Messenger-Diensten wie WhatsApp Probleme. Auf der einen Seite gebe es dort tatsächlich Kriminelle, die diese Dienste zur Verbreitung von Daten oder sogar um in Kontakt mit Kindern zu treten nutzten. Auf der anderen Seite aber auch Personen, die solche Bilder aus Sorglosigkeit oder weil sie es cool oder lustig finden verbreiteten. Solche Personen würden auch strafrechtlich verfolgt und bereiten der Polizei somit zusätzliche Arbeit, da eigentlich die Täter der ersten Gruppe in ihrem Fokus stehen.

Ein weiterer Grund für den Anstieg der Fallzahlen ist in den USA zu suchen. Durch die Arbeit des National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) würden deutlich mehr Fälle vom FBI bearbeitet. Dieses leitet die Ergebnisse an das BKA weiter, wenn Deutsche betroffen sind. Und vom BKA werden die Fälle an die zuständigen Polizeiinspektionen weitergegeben.

Ralf Pelle im Interview:

Ralf Pelle an seinem Schreibtisch.

Ralf Pelle erklärt, was man als Betroffener tun kann:

Sollte man in einer WhatsApp-Gruppe sein, in der Kinderpornos gepostet werden, sollte man sich an die Polizei wenden, das Bild löschen und gegebenenfalls die Gruppe verlassen. In keinem Fall sollte man das Bild kommentieren oder weiterleiten, erklärt Ralf Pelle. Auch sollten Eltern ein Auge auf die Handynutzung der Kinder haben. Nicht nur wegen der möglichen Weitergabe strafrechtlich relevanter Dateien, sondern auch um die eigenen Kinder zu schützen. Denn manche Täter versuchen im direkten Kontakt an Nackt- oder pornographischen Fotos von Minderjährigen zu gelangen.

Auch Jugendpornographie ist strafbar

Die Polizei weist darauf hin, dass auch das Weiterleiten von normaler Pornographie an Minderjährige oder die Verbreitung von Tierpornographie strafbar ist. Außerdem betonen die Beamten, dass es seit ein paar Jahren den Begriff der Jugendpornographie gibt. Sexuelle Darstellungen mit Personen zwischen 14 und 18 werden im Strafmaß zwar etwas anders bewertet, seien aber dennoch illegal.

Den Beamten würde auch die Tatsache zu schaffen machen, dass elektronischer Speicher immer billiger und dadurch die Datenmenge immer größer würden. Die Ermittler müssten sich durch große Mengen an Bildern und Videos arbeiten. „Zwar ist es ab einer gewissen Menge strafrechtlich nicht mehr so entscheidend, dennoch wird jedes einzelne Bild gesichtet und bewertet“, erklärt Arno Festerling. Denn hinter jedem Bild stehe eine Straftat, die so eventuell aufgeklärt werden könne.

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