Kommt die „Wolfenbütteler Bimmelbahn“? – Das sagt die Politik

11. Juni 2019 von
Eine solche elektrisch betriebene "Bimmelbahn" stellt sich die AfD für Wolfenbüttel vor. Foto: City Train GmbH, Regensburg
Wolfenbüttel. Wie berichtet hat die AfD-Stadtratsfraktion beantragt die Umsetzung einer "Bimmelbahn" für die Wolfenbütteler Innenstadt zu prüfen. Die Partei erhofft sich dadurch eine Förderung des Tourismus sowie eine Steigerung des Umsatzes im Einzelhandel. Doch was halten eigentlich die anderen Parteien von dieser Idee?

Auf Anfrage von regionalHeute.de beziehen die Fraktionen und Gruppen im Rat der Stadt Wolfenbüttel Stellung. Die Antworten veröffentlichen wir in Reihenfolge der eingegangenen Rückmeldungen.

Grüne sehen einen Mehrwert

Jürgen Selke-Witzel. Foto: Stadt Wolfenbüttel

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Jürgen Selke-Witzel, schreibt: „Die Grüne Ratsfraktion hält den Vorschlag einer „Bimmelbahn“ für Wolfenbüttel grundsätzlich für prüfenswert! Dabei denken wir nicht nur an Touristen, die sich damit bequem die Sehenswürdigkeiten unserer Stadt erschließen können, sondern auch an die Wolfenbüttlerinnen und Wolfenbütteler, die nach dem Einkauf auf diese Weise bequem wieder ihren Parkplatz erreichen können. In unserer Vorstellung verbinden sich der Nutzen einer „touristischen Bimmelbahn“ mit dem Nutzen der „alten elektrischen Straßenbahn“. Als mögliche Rundstrecke wäre denkbar: Spinnereiparkplatz, Schloßplatz, Löwentor, Krambuden, Lange Herzogstraße, Breite Herzogstraße, Trinitatiskirche, Hauptkirche, Kornmarkt, Kommissstraße, Schulwall. Natürlich bleiben wichtige finanzielle Fragen wie die Unterhaltungskosten zu klären. Trotzdem erscheint ein Mehrwert für den Tourismus und den Einzelhandel in der Stadt Wolfenbüttel möglich, der zudem emissionsfrei und damit ökologisch vertretbar ist. Die Grüne Ratsfraktion sieht in dem Prüfaufrag der AfD-Ratsfraktion durchaus Entwicklungspotential und wird diesen deshalb unterstützen.“

CDU befürchten Störung des Straßenverkehrs

Winfried Pink. Foto: Anke Donner

Winfried Pink, Fraktionsvorsitzender der CDU schreibt: „Die CDU-Ratsfraktion hat die Idee der AfD-Fraktion in der letzten Sitzung diskutiert. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Umsetzung aus verschiedenen Gründen nicht sinnvoll ist. Zum einen liegen die prägnanten Sehenswürdigkeiten dieser Stadt so dicht beisammen, dass es keiner weiteren Unterstützung durch die Bimmelbahn bedarf. Auch die Investitionskosten sind ja relativ hoch und bei den Folgekosten muss noch einiges hinzugerechnet werden. Ferner spricht gegen den Einsatz dieser Touristenbahn, dass der normale Straßenverkehr in der Innenstadt erheblich durch die Bimmelbahn gestört würde. Und so eine neue Attraktion ist so ein Fahrzeug ja nun auch nicht, dass sich die Touristenströme vervielfachen würden. Jeder ist im Urlaub an der See oder in den Bergen mit so einem oder ähnlichen Gefährt befördert worden.“

Linke und Piraten denkt an Stadtfeste

Florian Röpke. Foto: Stadt Wolfenbüttel/Thorsten Raedlein

Für die Gruppe „Linke/Piraten“ bezieht Florian Röpke Stellung: „Wir werden dem Antrag nicht zustimmen, weil der Betrieb einer Bimmelbahn nicht Aufgabe einer Kommune sein sollte. Wir können uns aber schon vorstellen, dass eine solche Bimmelbahn zu Stadtfesten oder anderen Anlässen eine Attraktion wäre, dann allerdings gemietet. Wer mal ein Glas Milch trinken möchte, kauft sich ja auch nicht gleich eine Kuh.“

FDP: „Nicht zu Lasten des Steuerzahlers“

Rudolf Ordon. Foto: privat

Rudolf Ordon von der FDP meint: „Eine „Bimmelbahn“ für Wolfenbüttel macht wenig Sinn (auch angesichts der Kosten), zumal die Wolfenbütteler Sehenswürdigkeiten fußläufig gut zu erreichen sind. Bimmelbahnen sind in Freizeitsparks wie Legoland besser aufgehoben. Wir sollten nicht Moden anderer Städte kopieren, sondern etwas versuchen, was uns ein Alleinstellungsmerkmal sichert. Wir sollten einmal darüber nachdenken, ob wir nicht einen Rundgang „Auf den Spuren Lessings“ einrichten, indem wir diesen durch ein Symbol auf den Wegen kennzeichnen. Wenn sich aber ein privater Betreiber finden sollte, dann kann er solche Fahrten gern anbieten, es darf aber nicht zu Lasten des Steuerzahlers gehen.“

Aktualisiert, 8.45 Uhr

„Keine positive Kosten-Nutzen-Rechnung“

Ralf Achilles. Foto: Marc Angerstein

Auch die SPD bezieht Stellung. Fraktionsvorsitzender Ralf Achilles schreibt: „Wir haben den Antrag noch nicht in der Fraktion behandelt, ich kann aber aus meiner Sicht etwas dazu sagen. Es gibt Städte, in denen dieses Konzept durchaus Sinn macht und auch angenommen wird. In Wolfenbüttel gibt es aber einige Aspekte, die dagegen sprechen. Die für Touristen relevanten Anlaufpunkte liegen relativ dicht beieinander und die kurzen, zwischen den Objekten zurückzulegenden Wege bieten die Möglichkeit, die schöne Altstadt „hautnah“ zu erleben und präsentiert zu bekommen. Auch können so die Einzelhändler mit ihren Angeboten unmittelbar erlebt werden. Es gibt in Wolfenbüttel kaum Bereiche, die wie in anderen Städten, etwas außerhalb gelegen angefahren werden müssten, so dass eine „Bahn“ im engeren Innenstadtbereich fahren müsste. Dies würde zu Komplikationen mit Fußgängern und dem bestehenden Verkehr führen. Das Argument, eine zusätzliche Mobilität für Wolfenbütteler Bürger anzubieten, erscheint mir völlig daneben, da wir damit zum einen eine interne Konkurrenz zu unserem bestehenden ÖPNV schaffen würden und zum anderen deutlich wird, dass auch die Antragsteller nicht damit rechnen, dass eine solche „Bahn“ mit Touristen ausgelastet werden könnte. Aus meiner eigenen Sicht kann eine Kosten / Nutzen Rechnung, wie von den Antragstellern gefordert, nie positiv ausfallen, so dass es eine zusätzliche, durchaus erhebliche Belastung für den städtischen Haushalt geben würde. Daher könnte ich diesem Antrag in dieser Form nicht zustimmen.“

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