Herdenschutz funktioniert: Warum der Wolf hilfreich sein kann

19. September 2019
Symbolbild: pixabay
Hannover. Der Schutz von Weidetieren vor dem Wolf – Information, Beratung und tatkräftige Unterstützung beim Zaunbau – das hat sich der NABU Niedersachsen mit dem Projekt „Herdenschutz Niedersachsen“ zur Aufgabe gemacht. Auch im dritten Jahr trägt das Projekt erheblich dazu bei, Akzeptanz, vor allem bei Weidetierhaltern, für die Anwesenheit von Wölfen zu schaffen. Dies teilt der NABU Niedersachsen mit.

Projektleiter Peter Schütte erklärt das Ziel des Projektes: „Durch die Anwesenheit von Beutegreifern sind Weidetierhalter zum Wohl ihrer Tiere auf der Weide verpflichtet, Herdenschutzmaßnahmen durchzuführen. Dies ist mit einem hohen Maß an Investitionen und Mehrarbeit verbunden.“ Neben den finanziellen Fördermöglichkeiten durch das Land Niedersachsen unterstützt das NABU-Projekt Weidetierhalter mit einem professionellen Beratungs- und Informationsangebot, helfenden Händen geschulter Ehrenamtlicher im Gelände beim Zaunbau und wertvoller Netzwerkarbeit. „Dadurch können wir praktisch helfen, Wissen über mögliche Maßnahmen weitergeben und die anfallenden Kosten für betroffene Tierhalter minimieren“, so Schütte. Dabei kooperiert „Herdenschutz Niedersachsen“ mit Tierhaltern, Experten, Verbänden, Behörden, Unternehmen sowie wissenschaftlichen Einrichtungen, um Herdenschutzmaßnahmen in der Fläche umzusetzen und darüber zu informieren.

Über 80 Vorortberatungen bei Weidetierhaltern

Der aktuelle Stand des erfolgreichen Projekts im Herbst 2019: „Wir haben über 80 Vorortberatungen bei Weidetierhaltungen vom Harz über die Lüneburger Heide bis Cuxhaven und Ostfriesland zu Möglichkeiten im Herdenschutz und über 100 Arbeitseinsätze für den Bau wolfsabweisender Zäunungen durchgeführt“, so Schütte. Der Fachberater für technischen Herdenschutz Olaf Buschmann ergänzt: “Ferner haben wir an über 60 Veranstaltungen mitgewirkt oder sie selbst ausgerichtet und dabei über 100 Personen intensiv als Multiplikatoren oder aktive Herdenschutzhelfer geschult.“ Das Projekt „Herdenschutz Niedersachsen“ beteiligt sich an Konzeption und Umsetzung weiterer Praxisprojekte und wissenschaftlicher Arbeiten, die zum Erkenntnisgewinn und Lösungen im Herdenschutz beitragen.

Deutlich weniger Übergriffe als im Vorjahr

Und Herdenschutz funktioniert! 2019 gab es deutlich weniger Übergriffe auf Weidetiere als im Vorjahr. „Dies ist auch guten, fachlich korrekt durchgeführten Herdenschutzmaßnahmen zuzuschreiben“, sagt Schütte und fügt hinzu: „es ist auch zukünftig wichtig, rasch flächendeckenden Herdenschutz zu etablieren. Zum einen können Wölfe so gar nicht erst an die mögliche Beute gelangen, zum anderen ist es nach Übergriffen unerlässlich, eine Wiederholung eines Übergriffs zu vermeiden. Hier ist schnelles Handeln gefragt.“

Wolfsabweisende Zäune sind eine sehr gute Möglichkeit, Weidetiere zu schützen. Zusätzlich kann in bestimmten Fällen mit Herdenschutzhunden gearbeitet werden. „Wir empfehlen elektrische Festzäune mit 5 bis 6 Leitern oder Elektronetze. Wichtig sind die Abstände der elektrischen Leiter vom Boden und untereinander. Diese sollen 20 Zentimeter betragen. Das Land Niedersachsen fördert die Anschaffung von sogenannten Präventionsmaßnahmen. Laut Umweltministerium liegen aus diesem Jahr etwa 500 Anträge vor, allerdings ist die Bearbeitung viel zu langsam, bis Ende Juli waren erst 116 Anträge bewilligt.

Beschaffung der wolfsabweisenden Zäune dauert

„Das kann fatale Folgen haben“, weiß der NABU-Landesvorsitzende Dr. Holger Buschmann, „es gibt einige Tierhalter, die die Förderung eines wolfsabweisenden Zaunes beantragt haben, aber über sechs Monate auf die Bearbeitung ihres Antrags warten. In der Zwischenzeit gab es dann Übergriffe auf Flächen, die längst gesichert sein könnten“. Allein über 20 Tierhalter warten auf eine Förderungsbewilligung, um dann mit Unterstützung von Ehrenamtlichen des NABU-Herdenschutzprojekts einen wolfsabweisenden Zaun zu verbauen. Dr. Buschmann fordert von Umweltminister Lies, „endlich die Bearbeitung der Präventionsanträge zu beschleunigen und längst fällige Entscheidungen zu treffen“. Dazu gehören Transparenz in der Antragsbearbeitung, versprochene Empfehlungen für wolfsabweisende Zäune bei Pferden und verbindliche Aussagen zu Fördermöglichkeiten.

Immer wieder auftauchenden Forderungen nach Bejagung entgegnet Dr. Buschmann, dass „Bejagung keine Herdenschutzmaßnahme ersetzt, eher im Gegenteil erst richtige Probleme schafft, da die soziale Struktur von Wolfsrudeln zerstört wird, was die Wahrscheinlichkeit von Übergriffen auf Weidetiere erhöhen kann. Der NABU lädt vor allem die Tierhalterverbände ein, sich endlich proaktiv und lösungsorientiert im Interesse ihrer Mitglieder – der Tierhalter – am erfolgreichen Instrument des Herdenschutzes zu beteiligen und basierend auf den Erfahrungen des NABU-Projekts ‚Herdenschutz Niedersachsen‘, den Schutz von Weidetieren flächendeckend und präventiv umzusetzen.“

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