Gelungenes Beispiel: Abdouramane Barry beginnt seine Ausbildung

8. November 2018
Große Freude bei allen Beteiligten: Andrea Klein (von links) und Marion Mai vom DRK haben Abdouramane Barry in der Interkulturellen Jugendwohngruppe Leo betreut. Jetzt arbeitet der Flüchtling aus Guinea bei der Firma Georg Hindemith. Prokuristin Anja Czarnetzki hat für ihren neuen Mitarbeiter die Wohnung organisiert. Foto: DRK
Wolfenbüttel. Ein gutes Beispiel für die Integration von jungen Geflüchteten: Abdouramane Barry hat in Deutschland ein neues Leben begonnen. Nachdem der 18-Jährige vor zwei Jahren aus seinem Heimatland Guinea geflohen ist und seitdem in der Interkulturellen Jugendwohngruppe Leo des Wolfenbütteler Kreisverbands des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gewohnt hat, hat er jetzt eine Ausbildung begonnen.

Außerdem wird er zum 1. Januar des kommenden Jahres seine eigene Wohnung beziehen, berichtet das DRK Wolfenbüttel in einer Pressemitteilung. Davon profitiert nicht nur er, sondern auch die Baufirma Georg Hindemith aus dem Braunschweiger Stadtteil Rautheim, die auch die Wohnung stellt. „Wir sind stets händeringend auf der Suche nach Nachwuchs für unseren Betrieb“, sagt Anja Czarnetzki, Prokuristin der Firma, die rund 60 Mitarbeiter beschäftigt. Junge Ausbildungswillige zu finden, sei insbesondere im mittelständischen Handwerk immer schwieriger, betont sie. Daher sei die Firma regelmäßig auf der Ausbildungsmesse der Handwerkskammer im Braunschweiger Eintracht-Stadion präsent. „Da stand plötzlich ein junger Flüchtling vor mir und sagte, er wolle Trockenbauer lernen“, sagt Czarnetzki, die ihr Glück wohl kaum fassen konnte.

Abdouramane Barry hatte seit zwei Jahren in der DRK-Unterkunft in Wolfenbüttel gewohnt. „Unsere Aufgabe ist es dort, die jungen Menschen zu betreuen und auf die Selbstständigkeit vorzubereiten“, erklärt Andrea Klein vom DRK. Dazu gehört es beispielsweise Tugenden zu lernen, wie Pünktlichkeit und Sauberkeit sowie gesellschaftliche Regeln. „Bei Abdou sah das Zimmer immer vorbildlich aus“, sagt Klein. Auch sonst habe er in kurzer Zeit enorme Fortschritte gemacht und sich schnell eingelebt.

Auf das Berufsleben vorbereitet

Außerdem hat Klein den jungen Flüchtling auf das Berufsleben vorbereitet. Dazu gehörten Praktika in Betrieben und Berufsorientierung. Dabei habe er einen Film über das Handwerk gesehen. „Ich wollte unbedingt Trockenbauer werden“, sagt Barry, die Alternative Maurer hatte er ausgeschlagen – er befürchtete, er könne die Kälte nicht ertragen.

Bei der Baufirma Hindemith absolvierte Barry zunächst ein Praktikum – „zu unserer vollsten Zufriedenheit“, wie Czarnetzki betont. Seitdem hat er die Ausbildung begonnen und sei laut der Prokuristin stets „hoch motiviert und vorbildlich pflichtbewusst.“. „Die Kollegen haben mich sehr gut aufgenommen. Ich lerne sehr viel“, sagt Barry. Den schulischen Teil der Ausbildung muss der West-Afrikaner regelmäßig in Hamm und Gelsenkirchen absolvieren. „In Niedersachsen gibt es keinen Theorie-Teil für Trockenbauer“, berichtet Czarnetzki. „Abdou hat daher so gut wie keine Freizeit momentan“, berichtet seine Betreuerin Klein.

Obdachlosigkeit abgewendet

Nun wurde auch ein aktuelles Problem gelöst. Da Barry die Volljährigkeit erlangt hat, zog sich das Jugendamt aus der Verantwortung. Die rechtliche Grundlage – das Jugendhilfegesetz – gelte dann nicht mehr. Da die vom DRK betriebene Unterkunft in Wolfenbüttel nur für Minderjährige vorgesehen ist und keine bezahlbare Wohnung zu finden war, drohte dem jungen Handwerker die Obdachlosigkeit.

Czarnetzki setzte daher alle Hebel in Bewegung und fand letztlich gerade rechtzeitig eine Wohnung, die von der Firma angemietet wurde. Das ist ein tolles Beispiel für die Integration, die nur gelingen kann, wenn viele mitwirken und die Übergänge ermöglichen. Erst greift die Jugendhilfe im DRK Wolfenbüttel, es wird die berufliche Perspektive angebahnt – und dann hat der Betrieb einen Auszubildenden und sorgt auch noch für die Wohnung, das sei großes Engagement. „Leider haben wir noch viele junge Leute in unserer Unterkunft, die derzeit keine Wohnung finden, obwohl die beruflichen Perspektiven passen“, erklärt Marion Mai, die Einrichtungsleiterin der DRK-Unterkunft.

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