Gedenkgottesdienst für Opfer der NS-Justiz in Wolfenbüttel

15. April 2019
Sabine Pinkepank mit ihrem Großvater Henry Pinkepank, 1952. Foto: Privatbesitz Sabine Pinkepank.
Wolfenbüttel. Die Kolpingfamilie Wolfenbüttel, die Pfarrei St. Petrus, die Wolfenbütteler Gruppe von Amnesty International und die Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel laden am Dienstag um 19 Uhr zum 25. Gedenkgottesdienst „Gegen das Vergessen“ mit Beteiligung von Angehörigen ehemals im Strafgefängnis Wolfenbüttel Inhaftierter in die St.-Petrus-Kirche, Harztorwall 2 ein.

Als die Alliierten am 11. April 1945 Wolfenbüttel befreiten, bedeutete dies auch das Ende der Haft der NS-Gefangenen in der hiesigen Strafanstalt, in der sich seit 1937 eine Hinrichtungsstätte befand. Lange dauerte es in Wolfenbüttel und im Land Niedersachsen, bis man sich – nicht ohne Druck von außen – entschloss, an diesem Ort eine Gedenkstätte zu errichten. Mitentscheidend dafür war der Wille von Hinterbliebenen.

Während der Festveranstaltung anlässlich des 50. Jahrestages fand 1995 in der St. Petruskirche ein Requiem statt. Ein Großteil der überwiegend aus Belgien und Frankreich stammenden inhaftierten und hingerichteten Widerstandskämpfer war katholischen Glaubens, wodurch ein Bezug zur Gemeinde entstand. Es gehörte zu den Aufgaben der Geistlichen, seinerzeit Pfarrer Unverhau, die Gefangenen zu betreuen und die Todeskandidaten auf ihrem letzten Weg zu begleiten.

Jährlich wird an die Hingerichteten erinnert

Im Verlauf der Feier im Jahr 1995 gab Klaus Berning, der damalige Vorsitzende der Kolpingfamilie, das Versprechen ab, nun jährlich und nicht erst wieder in fünfzig Jahren der Hingerichteten in einem Gottesdienst zu gedenken. In den vorausgegangenen Jahren standen verschiedene Opfergruppen im Fokus der Gottesdienste, wie die sogenannten „Nacht- und Nebel-Gefangenen“ oder polnische Zwangsarbeiter, die aufgrund der damaligen „Polenstrafrechtsverordnung“ schon für Bagatelldelikte ihr Leben lassen mussten. Ihre Menschenwürde – Godność – wurde ihnen so geraubt.

Weitere Opfergruppen derer gedacht wurde, waren Fremdarbeiter der Salzgitter-Werke, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas und Deserteure. Manche dieser Menschen kamen aus Nachbarorten oder Wolfenbüttel selbst. Das gilt zum Beispiel für Henry Pinkepank, der als politischer Gefangener wegen regimekritischer Äußerungen im Strafgefängnis inhaftiert war. Seine Enkelin Sabine Pinkepank wird am 16. April darüber berichten, welche Spuren dies in seiner Familie hinterließ. Zudem spricht Elisabeth Jensenius über ihren Vater Wilfred Jensenius, der in Wolfenbüttel als norwegischer „Nacht- und Nebel“-Gefangener einsaß und Zeit seines Lebens gezeichnet war von seiner Haftzeit.

Nach dem Gottesdienst wird es wieder die Möglichkeit zur Begegnung und zum Gedankenaustausch im Roncallihaus, Harztorwall 2, geben.

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