Der Todesfall von Tom-Finn: Zwei Jahre danach

4. November 2016 von
Ein Ort der Trauer und des Gedenkens. Angehörige und Freunde pflegen seit dem schrecklichen Unglück eine Gedenkstelle am Unfallort. Kerzenlichter wurden entzündet. Fotos/Grafik: Werner Heise
Braunschweig. Auf den Tag genau vor zwei Jahren verstarb der 17-jährige Braunschweiger Tom-Finn Knorz. Bis heute sind die Umstände die zu seinem Tod führten weitestgehend ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen eingestellt und seither keine neuen Hinweise erhalten.

Es war am frühen Morgen des 4. November 2014, um 4.05 Uhr, als ein Autofahrer den damals 17-Jährigen bewusstlos unter der sogenannten Graffiti-Brücke an der Broitzemer Straße fand. Tom-Finn lag mitten auf der Straße, sein Oberkörper war entblößt, die Kleidung lag verstreut neben ihm. Äußerlich habe man ihm keine Verletzungen angesehen. Das Fahrrad des jungen Braunschweigers stand am Straßenrand, die Kette abgesprungen. Seine Geldbörse soll er bei sich getragen haben, das Handy wurde in einem Gebüsch gefunden. Mit diesem hatte er wenige Minuten zuvor, um 3.58 Uhr, noch eine SMS an seinen in Berlin lebenden Bruder geschickt: „Hi Basti, schläfst du schon? Bestimmt. Ich glaube, ich bin ganz schön betrunken.“ Was nach dem Absenden der SMS wirklich geschah, ist bis heute ungeklärt. Die Ermittlungsbehörden vermuten, dass Tom-Finn von einem größeren Fahrzeug auf Hüfthöhe erfasst wurde. Möglicherweise hätte der Fahrer dies noch nicht einmal mitbekommen. Andererseits könnten ihn auch die sich auf der Flucht befindlichen Täter mit ihrem Fahrzeug erfasst haben, die kurz zuvor versuchten bei einem in der Nähe ansässigen Möbelhaus einzubrechen. Thesen die man bis heute, trotz bundesweitem medialen Aufsehen, nicht aufklären konnte. Die Todesumstände des 17-Jährigen bleiben ungeklärt.

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Hat der Einbruchsversuch bei Möbel Boss etwas mit den Ereignissen unter der nur wenige Meter entfernten Graffiti-Brücke zu tun?

Freund ohne Erinnerung

Zwei voneinander unabhängige Zeugen hatten damals berichtet, dass sie gegen 3.45 Uhr zwei Personen mit Fahrrädern unter der Brücke gesehen haben wollen. Wer diese Personen waren, darüber hat die Staatsanwaltschaft bis heute keine Kenntnis. Ob es sich um Tom-Finn und einen ihn in dieser Nacht begleitenden Freund gehandelt hat? Reine Spekulation. Der Freund kann sich bis heute nicht an die entscheidenen Ereignisse der Nacht erinnern. Die Staatsanwaltschaft erwartet, dass, sollte die Erinnerung je zurückkehren, er sich wieder meldet: „Eine regelmäßige Nachfrage an den Zeugen, ob seine Erinnerung zurück gekommen ist, ist nicht üblich. Es ist davon auszugehen, dass er sich der Bedeutung seiner Angaben bewusst ist und sich von selbst melden würde, falls er sich wieder erinnern könnte“, erklärt Erste Staatsanwältin Julia Meyer gegenüber regionalHeute.de.

Zwei unabhängige Zeugen berichteten davon, kurz vor den ungeklärten Abläufen zwei Jugendliche mit Fahrrad unter der Brücke gesehen haben zu wollen.

Zwei unabhängige Zeugen berichteten davon, kurz vor den ungeklärten Abläufen zwei Jugendliche mit Fahrrad unter der Brücke gesehen haben zu wollen.

Rund 2.000 Personen überprüft

„Das Verfahren ist derzeit eingestellt, kann und wird aber bei neuen sachdienlichen Hinweisen wieder aufgenommen werden“, so Meyer. Und an eben diesen sachdienlichen Hinweisen mangelt es seither. Noch nicht einmal die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ brachte nach ihrer Ausstrahlung große neue Erkenntnisse. Die Ermittler hofften damals auf neue Impulse, doch vergebens. Auch die zuvor angelaufene Überprüfung von rund 2.000 Personen, die sich im fraglichen Zeitraum rund um den Tatort aufgehalten haben könnten und die man mittels einer Mobilfunkzellenauswertung ermittelt hatte, verlief ohne heiße Spur.

Eine Botschaft von der Familie an den Fahrer

Für die Familie von Tom-Finn Knorz ist die Welt in 1.000 Stücke zerborsten. Auch wenn man wüsste, was genau in dieser Nacht geschah, es würde ihr nicht besser gehen. So schreiben Mutter, Vater und Brüder es auf einem vor Wind und Regen geschützten, einlaminierten Brief, den sie an der Gedenkstelle am Unfallort für die Öffentlichkeit hinterlegt haben. Das wie und warum sei nur ein kleines Stück der kaputten Welt, das man flicken könnte. Sie selbst gehen von einer Verkettung ungünstiger Umstände aus, die zu diesem schrecklichen Unfall geführt hätten. Auf den Fahrer, der der Hauptthese der Polizei nach den 17-Jährigen angefahren hat, seien sie deshalb auch nicht wütend.

Wer Hinweise zu den Todesumständen von Tom-Finn Knorz hat, kann sich an jede nächste Polizeidienststelle wenden.

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