Den Schmerzteufelskreis gemeinsam durchbrechen

7. Juni 2019
Informierten zum Thema Schmerz: Ergotherapeut Sebastian Giese, Psychologin Dr. Léonie Kerper, Neurologe und Psychiater Dr. Peter Cordes und Dr. Nils Beiser, Leiter der Schmerzmedizin. Foto: Städtisches Klinikum Wolfenbüttel
Wolfenbüttel. Mit einem Infostand und einem Informationsabend bot das Städtische Klinikum laut einer eigenen Pressemitteilung jüngst gleich zwei Veranstaltungen im Rahmen des „ 8. Aktionstag gegen den Schmerz“ an.

Etwa 17 Millionen Menschen in Deutschland leiden nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. unter immer wiederkehrenden oder chronischen Schmerzen. Darunter werden Schmerzen verstanden, welche bereits über zwölf Wochen andauern und unter Umständen mit Schmerzpausen und/oder Schmerzspitzen bestehen. Im Landkreis Wolfenbüttel dürften laut dem Klinikum rund 20.000 Einwohner betroffen sein, von denen bei rund 1.000 bis 2.000 Menschen die Schmerzen vermutlich so stark ausgeprägt sind, dass die Lebensqualität dadurch stark beeinträchtigt wird. Bedarf an einer fundierten und nachhaltigen Schmerztherapie scheine es somit in der Region reichlich zu geben.

Aus ärztlicher Sicht referierten am Abend Dr. Nils Beiser und Dr. Peter Cordes, Neurologe und Psychiater. Warum die Psychologie immer eine wichtige Rolle spielt, erklärte Dr. Léonie Kerper anhand von praktischen Beispielen. Darüber hinaus stellte Ergotherapeut Sebastian Giese („get-ergo“) mit dem Biofeedback-Verfahren eine ganz besondere Behandlung vor. Diese ermögliche es, Stress und Anspannung und deren Auswirkungen auf Schmerzen (be-)greifbar und damit behandelbar zu machen.

Behandlungsmethode nicht flächendeckend bekannt

„Schmerzen haben eigentlich die Funktion, uns vor Schäden zu schützen“, erklärte Dr. Nils Beiser, Leiter der Schmerzmedizin am Klinikum Wolfenbüttel. Chronische Schmerzen markieren jedoch oftmals den Start eines langen Leidensweges. Wenn auch die „Pille“ vom Arzt oder „Sechs Einheiten Krankengymnastik“ nicht mehr helfe, müsse laut Meinung des Leiters der Schmerzmedizin „multimodal“ behandelt werden, d.h. eine Therapie erfolgen, die von verschiedenen Fachdisziplinen durchgeführt wird. Die enge Absprache zwischen den Disziplinen wie Medizin, Psychologie, Physio- und Ergotherapie sei hierfür unerlässlich. Diese Behandlungsmethode sei komplex, wissenschaftlich anerkannt, aber immer noch nicht flächendeckend bekannt.

Wie sieht die Behandlung im städtischen Klinikum aus?

Der Patient wird für die Dauer der Behandlung, also zwischen 11 und 17 Tage, stationär aufgenommen. Dabei wird er von seinen Alltagsverpflichtungen sowie -belastungen befreit, ist jedoch gehalten, aktiv an seinem Beschwerdebild arbeiten zu wollen und sich intensiv auf der körperlichen und psychischen Ebene mit seiner Schmerzproblematik auseinanderzusetzen. Um die Therapie in dieser Zeit so effizient wie möglich zu gestalten, ist somit die Einhaltung eines persönlichen Stundenplanes des Patienten erforderlich. Ärztliche Behandlung mit täglichen Visiten, Einzel- und Gruppentermine in der Physio- und Psychotherapie bilden das Grundgerüst des Stundenplanes.

Aufnahmeindikationen regeln die Kostenübernahme

Um eine Aufnahme in der hiesigen Multimodalen stationären Schmerztherapie sowie die Übernahme der Kosten durch die gesetzliche oder private Krankenversicherung zu erwirken, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Hierzu gehören unter anderem eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität und/oder eine mindestens sechs Monaten bestehende Arbeitsfähigkeit aufgrund einer Schmerzerkrankung oder auch ein bis dahin nicht dauerhaft erzielter Behandlungserfolg durch unimodale schmerztherapeutische Verfahren wie beispielsweise Operationen, Physiotherapie oder die Einnahme von Medikamenten. Die stationäre Einweisung erfolgt über den niedergelassenen Haus- oder Facharzt. Realistische Ziele der multimodalen Behandlung werden mit dem Patienten geklärt und können in Schmerzreduktion, Medikamentenoptimierung, Wiedererlangung von Lebensqualität, Teilnahme am Beruf und am sozialen Umfeld sowie in der Akzeptanz der Erkrankung bestehen.

Alle Informationen rund um die Multimodale stationäre Schmerztherapie sind auf der Klinikums-Homepage zu finden.

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