51 Jahre Atommüll in Asse II – und kein Ende in Sicht

8. April 2018
Der Asse II-Koordinationskreis fordert: Kein Eingangslager für Schacht Konrad an der Asse! Foto: Asse II-Koordinationskreis
Asse. Die Kundgebung zum 51. Jahrestag der Einlagerung von Atommüll in den Schacht Asse II am 4. April begann mit gut 50 Teilnehmern vor dem Tor der Schachtanlage und wurde wegen starken Regens dann bald in eine Scheune in Remlingen am Fuße der Asse verlegt.

Andreas Riekeberg hielt einen Rückblick auf die 51 Jahre seit der ersten Einlagerung. Bemerkenswert unter anderem, dass 1968 in einer Besprechung vereinbart worden war, dass Fässer mit einer Stabilität für drei Jahre ausreichend seien für die Einlagerung von Atommüll. Und dass vor dem Einlagerungsschluss 1978 noch gerichtlich um die Einlagerung oder Nichteinlagerung von Atommüll aus dem AVR Jülich gestritten werden musste.

Bezüglich der Absicht der neuen Bundesregierung, ein Atommüll-Sammellager als Eingangslager für Schacht Konrad zu bauen, zitierte Riekeberg den Beschluss des Kreistages Wolfenbüttel vom 5.10.2015: „Der Kreistag fordert den unverzüglichen Beginn einer transparenten, ergebnisoffenen, kriterienbasierten Standortsuche für die Konditionierungsanlage, das Puffer- und Zwischenlager. Dies gilt insbesondere für die Suche nach Asse-nahen Standorten.“ Angesichts der Absicht, das Eingangslager für Konrad nicht unmittelbar in der Nähe von Schacht Konrad zu bauen, droht hier für den Landkreis Wolfenbüttel eine weitere Belastung durch Atommüll.

Der Asse II-Koordinationskreis fordert: Kein Eingangslager für Schacht Konrad an der Asse!

Heike Wiegel, Vorstandmitglied des AufpASSEn e.V., ergänzt: „Der Kreistagsbeschluss ist eine politische Standortbestimmung und fachlich, sachlich nicht haltbar. Im Herbst 2015 wurde auch der Asse Zukunftsfonds eingerichtet. Hat sich der Landkreis Wolfenbüttel vielleicht kaufen lassen?“

Rückholung kommt nicht voran

Weiter monierte Wiegel, dass die Rückholung des Atommülls aus Asse II nicht vorankommt. „Viel wichtiger als eine vorgezogene Rückholung von ein paar Prozent des Atommülls wären der Bau von Schacht 5, die Erprobung der ferngesteuerten Bergetechnik und die konkrete Ausführungsplanung derRückholung, um möglichst bald mit der Rückholung des gesamten Atommülls fertig zu werden, damit der Atommüll und die anderen giftigen Stoffe nicht ins Grundwasser gelangen.“ Soll durch die Ankündigung einer vorgezogenen Rückholung etwa die Errichtung eines neuen Atommülllagers an der Asse begründet werden? Soll an der Asse ein Zwischenlager für bundesweiten Atommüll errichtet werden?

Wolfgang Bischoff von der Wolfenbütteler Atom-Ausstiegs-Gruppe (WAAG) wies auf die Vertuschungen hin, die das Forschungszentrum Jülich bezüglich seiner Tritium-Einlagerung in Asse II jahrzehntelang betrieben hatte.

„Jülich hat noch bis in die 2000er-Jahre behauptet, dass in den 1970er-Jahren die Tritium und Kohlenstoff 14-Belastungen nicht messbar gewesen wären und man die Brennelemente-Kugeln in guten Glauben in der Asse abgeliefert habe. Diese Angaben über das abgegebene Tritium- und Kohlenstoff 14-Inventar wurden erst 2010 korrigiert. Dabei hat sich wie von Zauberhand das Tritiuminventar verdreizehnfacht, von 4,4 Billionen Becquerel auf 56 Billionen Becquerel.“ Das Inventar an Tritium pro Fass aus Jülich war etwa 1000 mal höher als nach den Annahmebedingungen
zulässig!

Bischoff gab auch Informationen von Dr. Rainer Moormann über Jülich weiter, die sich auf bestrahlte Kugelbrennelemente beziehen, für die einzelne Akten pro Kugel angelegt worden waren. Doch wo sind diese Akten? Für die Rückholung des Atommülls ist es wichtig, dass der genaue Inhalt der Jülich-Fässer mit den bestrahlten Kugelbrennelementen bekannt gegeben wird!

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