15 Jahre aufpASSEn e.V. und noch viel mehr

9. Oktober 2018
Der aufpASSEn Vorstand: Heike Wiegel, Johannes Philipp und Ursula Klebe. Fotos: aufpASSEn e.V.
Remlingen. Der Verein aufpASSEn e.V. hatte zum 15-jährigen Jubiläum eingeladen. Der Vorstand mit Johannes Philipp, Dr. Ursula Kleber und Heike Wiegel freut sich über die sehr gute Resonanz von zirka 200 Gästen im Dorfgemeinschaftshaus in Remlingen zu einem bunten und interessanten Programm. Das teilt der Verein aufpASSEn mit.

Zunächst gab es Grußworte von den Organisatoren der Asse-Konzerte 
von Lise Jürgens und Ruth Jäger. Das nächste Asse Konzert findet am Sonntag, 28. Oktober, um 17 Uhr in der Kirche in Remlingen statt mit „Ein klassischer Nachmittag in D-Dur“ Werke von Mozart, Hayden und Rossini. Dies wird ein besonderes Konzert zum 15-jährigen Jubiläum.

Danach folgte Bürgermeister Klaus Warnecke, der den Verein für seine Arbeit lobte. Er mahnte, wo sind die Umweltminister heute, bei diesem größten Umweltproblem Asse II. Pastorin Kirstin Müller erinnerte, dass sie die Asse Andachten am Schacht Asse II mit eingeführt hat. Sie hob die außergewöhnliche Nähe von der Kirche und dem Verein AufpASSEn hervor.

15 Jahre aufpASSEn eV Saal.

Es folgte die Asse II-Rede vom Vorstandsmitglied Heike Wiegel:

„15 Jahre aufpASSEn 
- Was gibt es eigentlich zu feiern, bei dieser Asse II Geschichte? Zu feiern gibt es Menschen, die aufpassen. Es gibt Menschen die hinschauen und eben nicht weg sehen. Der Verein aufpASSEn ist entstanden aus der Bürgerinitiative der „Aktion Atommüllfreie Asse“, die sich schon vor 30 Jahren gegründet hat und sich zusammenschloss mit der „Feuergruppe“, einer überregionalen Gruppe mit Mitgliedern aus ganz Deutschland. Mit dieser Vorgeschichte sind es sogar 30 Jahre. Heute wie damals finden sich unabhängige Bürger zusammen und immer hat es damit etwas zu tun, dass Bürger wach bleiben, nicht alles einfach hinnehmen, sondern aufpassen.
Wir wollen eine sichere Zukunft für unsere Kinder, für unsere Enkel gestalten. Dafür brauchen wir Euch, dafür brauchen wir viele Menschen die sich engagieren, die mitmachen, dafür brauchen wir Menschen die sich einsetzten für Gerechtigkeit, für Transparents. Unsere Zukunft entscheidet sich hier vor Ort, durch die Menschen vor Ort. Es ist eine Herausforderung, der wir uns stellen wollen. Wir wollen nicht, dass ein Schleier des Vergessens darüber gelegt wird, wir wollen Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Transparents. Jeder der ebenso denkt, den fordern wir auf, mitzumachen und in den Verein aufpASSEn e.V. einzutreten. Nur gemeinsam, gemeinsam können wir vieles erreichen.

Heike Wiegel hielt die Jubiläumsrede.

Was haben wir zusammen mit unseren Mitstreitern erreicht? 
Ich nenne nur 3 Beispiele: Wir haben erreicht, dass der Schacht Asse II nicht geflutet wurde,
oder besser gesagt, dass er bisher nicht geflutet wurde. Wir haben erreicht, dass der Optionenvergleich erstellt wurde, um die bessere Lösung für die Asse zu finden. Wir haben erreicht, dass Asse II unter das Atomrecht gestellt wurde und die Rückholung ist im Atomgesetzt eingetragen. Das alles war keine Selbstverständlichkeit, sondern hat natürlich auch Zeit gekostet und vor allen Dingen Ausdauer. Es ist eben nicht selbstverständlich, dass sich Gesetze mal so nebenbei ändern. Das kann man nur erreichen, wenn viele Menschen zusammenarbeiten und gemeinsam etwas auf den Weg bringen. Viele Mitglieder und Mitstreiter, die hier sind, haben dazu beigetragen.

Wie sieht es zurzeit aus mit Asse II? 
Die letzten Jahre hatten wir doch das Gefühl, es ist ein Art Stillstand, ständige Umstrukturierungen in den Behörden, in der Begleitgruppe, in den Behörden – bei der BGE, BFE, BGZ , BfS und diese Umstrukturierungen laufen immer noch, das alles kostet wertvolle Zeit und viel Geld.

Zum ehemaligen Betreiber BfS: 
Das BfS hat 2009 den Schacht Asse II übernommen und was ist in den Jahren passiert? Der Strahlenschutz im Schacht wurde verbessert und die Verfüllmaßnahmen mehr und mehr umgesetzt. Doch die Rückholungs-Planung kam und kam bisher nicht richtig in Gang. Eine Ausführungsplanung, wie die Rückholung tatsächlich erfolgen soll, ist noch lange nicht in Sicht. Die Bergetechnik ist bis heute nicht erprobt und nicht einmal in Auftrag gegeben, doch gerade die Fernsteuerung muss doch vorher getestet werden. Viele, viele Jahre verschenkt. Immer wieder wird das Bauen des neuen erforderlichen Schachtes für die Rückholung in die Zukunft verschoben, mit den Begründungen, dass weitere Untersuchungen erforderlich wären. Die Pläne liegen in der Schublade – sie könnten anfangen.

Bisher ist noch nicht mal festgelegt, was der Betreiber vom Atommüll aus dem Schacht Asse II, 
also von den Fässer oder Bruchstücken des Atommülls, überhaupt wissen will. Will der Betreiber wirklich diesen Atommüll in kleinste Teile zerbröseln, um jedes Radionuklid genau zu bestimmen? 
Das wäre unabhängig vom Ort, also wo dies stattfindet, eine unverantwortliche Freisetzung von Radionukliden. Auch ist nicht klar, wie und wo die Endlagerverpackung überhaupt erfolgen soll. Wesentliche Bausteine für die Rückholungsplanung und Ausführung wurden noch nicht festgelegt, Jahre verschenkt. Wir stehen nach wie vor bei der Rückholung noch am Anfang. Ob dieses Schneckentempo so weiter geht, oder ob sich dies mit dem neuen Betreiber, der BGE, ändert?

Zur Asse 2 Begleitgruppe
Es ist schon beunruhigend, wie die Politik einseitig Einfluss auf den Begleitprozess nimmt und eine Zusammenarbeit in der Region ablehnt. Das war viele Jahre anders, das zeigen ja auch die Ergebnisse der Vergangenheit. Wenn es nicht so läuft, wie man sich das von oben, also in Berlin, so vorstellt, dann wird einfach umstrukturiert und man sucht sich neue Bürger mit möglichst wenig Betroffenheit. Das Bundesumweltministerium und das BfS, der ehemalige Betreiber, wollten Jahre lang, dass die Asse 2 Begleitgruppe einem Zwischenlager an der Asse zustimmt. Diese Zustimmung gab es nicht. Die Begleitgruppe hat einen fairen Vergleich gefordert, den das BfS nicht geliefert hat.

Der Kreistag hat 2015 genau dieser Forderung vom BfS und BMU nachgegeben. Warum? Hat dies mit den Geldern des Asse-Fond zu tun? Und der Samtgemeinderat Elm-Asse hat in seiner letzten Sitzung, einen Beschluss zur Zwischenlagersuche gefasst, der unserer Meinung nach nicht weit genug reicht. Es fehlen hierbei Mindestabstände, d.h. Sicherheitsabstände. Aus der BfS-Störfallbetrachtung geht deutlich hervor, dass bei 1 km Abstand vom Zwischenlager zur Wohnbebauung die höchsten Belastungen für die Anwohner vorliegen und erst über 4 km Abstand vom Zwischenlager bis zur Wohnbebauung nehmen die Belastungen bei allen Szenarien für die Anwohner deutlich ab. Die Physik verhandelt nicht. Ein größerer Abstand vom Zwischenlager bis zu den Häusern, Schule, Kindergarten, also dort wo Menschen leben, ist eben eine größere Sicherheit. Ist das nicht ein Grund, um zu einem Zwischenlager an der Asse „deutlich nein“ zu sagen?

Zu den letzten Meldungen in der Presse zur Stabilität des Schachtes Asse II: 
Es scheint so, als wenn hier schon der Rückzug von der Rückholung eingeläutet wird. Auf einmal wird die Stabilität von Asse II stärker in Frage gestellt, obwohl doch klar war, dass die Verfüllmaßnahmen so schnell keine Ergebnisse liefern werden. Das ist nichts Neues und dies wurde vor vielen Jahren schon von der GSF – Helmholzzentrum prognostiziert. Die Stabilität hat sich nicht wesentlich verbessert, aber auch nicht wesentlich verschlechtert. Wie viel Zeit uns bleibt weiß keiner. Ist die Rückholung von der Politik und dem Betreiber noch ernst gemeint?

Unsere Erwartungen an den neuen Betreiber, die BGE, die Bundesgesellschaft für Endlagerung und auch an die BGZ, die Bundesgesellschaft für Zwischenlager sind:

  1. Wir erwarten vom neuen Betreiber, dass in der Umgebungsüberwachung auch das Thema Anreicherung in der Natur untersucht wird, – hierzu gehören unter anderem Untersuchungen von Baumscheiben und der Teiche in direkter Nähe vom Schacht Asse II
  2. Wir erwarten vom neuen Betreiber, dass die Rückholung schnellstens auf den Weg gebracht wird, dazu gehört die Ausführungsplanung, der Bau des neue Schachtes, die ferngesteuerte Bergetechnik,
ein entsprechendes Regelwerk für den Atommüll aus Asse II, dazu gehört, dass die vorhandenen Konditionierungsanlagen in Deutschland genutzt werden und dazu gehört das ein Zwischenlager, besser gleich ein Endlager für den Atommüll aus Asse II gefunden wird
  3. Wir erwarten, dass der Betreiber auch beim Thema Zwischenlager und Konditionierung technisch, fachlich und sachlich bewertet und sich nicht zum Lobbyverein der Politik macht.
  4. Wir erwarten vom neuen Betreiber, das der Betreiber fair mit diesen Themen umgeht, dazu gehört, dass endlich bei der Zwischenlagersuche bundeseigene Liegenschaften, wie ehemalige Truppenübungsplätze, Bunker und Tunnel in die Zwischenlagersuche einbezogen und verglichen werden.“

Nach dem informativen Vortrag gab es Wein und Zwiebelkuchen. Es folgte Livemusik von Paul Präkelt aus Braunschweig und Bernd Foitzik aus Groß Denkte. Neben der hervorragenden Livemusik schloss sich noch ein Höhepunkt des Abends an. Das Playback-Theater aus Potsdam mit Petra Müller, Veronika Scholz, Marcel Pilz, Norbert Bender und Reinhard Strenzl. Dieses besondere Theater begeisterte das Publikum mit ihren spontanen Kurzgeschichten und Karografien, zu Themen, die ihnen von den Gästen genannt wurden. In Windeseile wurden Gefühle in Bilder und Geschichten verwandelt. Ein Abend den man wohl so schnell nicht vergisst.

Musiker Bernd Foitzik.

Medienpartner
Anzeigen
Kontakt zur Redaktion
Sie erreichen unsere Redaktion 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche per
E-Mail: wolfenbuettel@regionalheute.de
und montags bis freitags von 9 Uhr bis 17.30 Uhr per
Telefon 05331 / 88 27-21
Anzeigen
Telefonnummern
Apotheken-Notdienst: 22 8 33
Ärztliche Bereitschaftspraxis: 05331-8553990
Elterntelefon: 0800 111 0 550

Deutsches Rotes Kreuz
- Servicestelle: 05331/ 9750 200
- Tafel: 05331/ 94 86 55
- Kleiderkammer: 05331/ 927 846 4
- ITZ: 05331/ 927 847-0
- Solferino: 05331/ 927 84 2880
- Pflege+Betreuung: 05331/ 9750 714
- Rettungsdienst: 05331/ 9750 612

Feuerwehr-Notruf: 112
Frauenschutzhaus Wolfenbüttel: 05331-41188
Gift-Notruf: 0551 / 19 24 0
Hospizverein Wolfenbüttel: 0171/6226606
Kartensperrungs-Notruf (für alle): 116 116
Kinder- und Jugendtelefon: 0800 / 111 0 333
Klinikum Wolfenbüttel: 05331-9340
Landkreis Wolfenbüttel: 05331-840
Polizei-Notruf: 110
Rettungsdienst-Notruf: 112
Stadt Wolfenbüttel: 05331-860
Strom-Gas-Wasser-Störungsstelle der Stadtwerke Wolfenbüttel: 05331-408111
Technisches Hilfswerk (THW) Wolfenbüttel: 05 33 1 / 96 99 40
Telefonseelsorge (evangelisch): 0800 / 111 0 111
Telefonseelsorge (katholisch): 0800 / 111 0 222
Weisser Ring Opfertelefon: 116 006