WSV-ler Christian Schlums beim Triathlon Across Germany am Start

22. August 2015
Vierter Platz für Christian Schlums beim Triathlon Across Germany. Foto: Privat

Deutschland. „Langstrecke ist langweilig!“ Unter diesem Motto startete am 9. August erstmals der Triathlon Across Germany. Eine Woche lang täglich Schwimmen, Rad fahren und Laufen quer durch Deutschland von der Ostsee bis in die Alpen. Im 18-köpfigen Starterfeld, das sich dieses sportliche Abenteuer nicht entgehen lassen wollte, war für den Wolfenbütteler Schwimmverein von 1921 Christian Schlums (52) am Start. Der nachfolgende Artikel vom Pressesprecher des WSV, Andreas Meißler, berichtet über das Ereignis.


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„Wenn Du in knapp dreißig Jahren Triathlon an die zweihundert Wettkämpfe über alle gängigen Distanzen absolviert hast, ist es mal Zeit für besondere Herausforderungen“, beschreibt Schlums seine Motivation, sich dieser Tortur zu stellen. So stürzte er sich zum Auftakt in der Nähe von Boltenhagen in die Wellen der Ostsee. Drei Kilometer waren auf der ersten Tagesetappe schwimmend zu bewältigen, bevor es 120 Kilometer auf dem Rad und anschließend zehn Kilometer laufend bis nach Gartow im Wendland ging. Im Gartower See wurden von den Teilnehmern am nächsten Morgen zwei Kilometer Schwimmstrecke und 150 Kilometer Rad fahren mit einem anschließenden zwölf Kilometer Lauf über den Huy nach Halberstadt in Angriff genommen. Mit den Etappenorten Jena, der Triathlonhochburg Roth, Dillingen an der Donau und Utting am Ammersee endete der Wettkampf nach einer Woche in der Nähe vom Schloss Neuschwanstein bei Füssen.

Gegenseitige Motivation

Neben einem fünf Kilometer langen Schwimmen in der Donau hatten die Veranstalter des Triathlon Across Germany als finale Hürde die letzten vier Laufkilometer zum Ziel auf dem Gipfel des Tegelberges noch mit 930 Höhenmetern gespickt. „Bei durchschnittlich 20 Prozent Steigung und teilweise alpinen Klettersteigen war an Laufen nicht mehr zu denken“, berichtet Schlums von dieser letzten Anstrengung. Doch die Aussicht auf das baldige Ende nach gut 750 Kilometern per Muskelkraft quer durch Deutschland trieb ihn im „Power-Walking-Stil“ auch diese Klippe hinauf. Das letzte Tagesziel zu erreichen war für alle Teilnehmer die Hauptmotivation und so wurden aus den zwölf Einzelstartern, darunter zwei Frauen, und drei Staffeln mit zwei bis drei Startern, die sich die Tagesetappen jeweils teilten, schon am ersten Abend trotz Wettkampfcharakter und Siegerrangliste schnell eine eingeschworene Gemeinschaft, die sich bei jeder Gelegenheit gegenseitig half und unterstützte.

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Der Streckenverlauf

Freie Wahl der Strecken

„Gemeinsam wurden die Erfahrungen der zurückliegenden Etappe analysiert und Pläne für den nächsten Tag geschmiedet“, beschreibt Schlums das abendliche Treiben der Teilnehmer auf den Campingplätzen der Etappenorte. Denn das Besondere dieser Triathlonwoche war die freie Wahl der Rad- und Laufstrecke. Anders als bei üblichen Triathlonveranstaltungen, bei denen ein Verlassen der vorgegebenen Strecken die Disqualifikation des Athleten zur Folge hat, waren beim Triathlon Across Germany (TAG) nach der Schwimmstrecke lediglich die Wechselzone Rad-Lauf und das Tagesziel definiert. Auf welchem Weg diese Punkte erreicht wurden, war den Athleten freigestellt. Jeder konnte seine Rad- und auch Laufstrecke frei wählen. „Mir war von Anfang an klar, dass beim TAG eine optimale Navigation auf dem Rad und Nutzung von Abkürzungspotentialen auf der Laufstrecke das A und O dieser Veranstaltung sind“, schildert Schlums seine akribische Vorbereitung bei der Streckenwahl, die er genauso wichtig nahm wie die sportliche. „Wer sich auf Google Maps verlässt, hat hier schon verloren,“ so der WSV-Triathlet.

Diese Erfahrung mit der gängigen Navigationsgrundlage hatte Schlums schon auf seinen Touren zu den Auswärtsspielen der Braunschweiger Eintracht in der Bundesligasaison 2013/14 gemacht, auf denen er mehrmals mit seinem Rad auf Truppenübungsplätzen hängen blieb. Das galt es beim TAG zu vermeiden. Aber auch andere Navigationssysteme sind nicht fehlerfrei beziehungsweise entsprechen nicht der Anforderung „kurz und Rennrad geeignet!“. So fuhr der Thieder im Vorfeld alle Strecken des TAG mindestens einmal auf dem Rad ab und hat sie seinen Ansprüchen entsprechend optimiert, wobei durchaus auch mal eine kurze Schotter-, Kopfsteinpflaster- oder Waldpiste dabei sein durfte, wenn dadurch einige Kilometer Landstraße abgekürzt werden konnten.

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680 Kilometer Radfahren

Planung ist alles

In einem über 300 Seiten starken persönlichen Roadbook wurden diese Erkenntnisse zusammengefasst und an den Start des Triathlon Across Germany gebracht. Spätestens nach der zweiten Tagesetappe, bei der Schlums, dessen persönlich schlechteste Disziplin das Schwimmen ist, als letzter Teilnehmer dem Gartower See entstieg, aber als Zweiter der Einzelwertung das Ziel in Halberstadt erreichte, war den anderen Athleten klar, dass er optimal vorbereitet ist. Das hat im weiteren Verlauf des TAG sogar dazu geführt, dass andere Teilnehmer bis zu zehn Minuten in der Wechselzone vom Schwimmen zum Rad auf ihn gewartet haben, um die Rad-Kilometer gemeinsam zu fahren. „Das war eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Navigation für Windschatten“, lacht Schlums, denn anders als bei üblichen Triathlon-Veranstaltungen ließ das Regelwerk des Triathlon Across Germany ein Windschattenfahren der Teilnehmer untereinander zu. Verblüffung bei Veranstaltern und Teilnehmern hinterließ Schlums auch bei seiner Abkürzung der Laufstrecke durch das Freibad am Natursee im Zielbereich einer Tagesetappe. Im Rahmen seiner Vorbereitungstour hatte er entdeckt, dass ein zweiter Ausgang existiert, wodurch sich die Laufstrecke um 1,2 Kilometer verkürzen ließ. „Mein Helfer hat mir kurz zuvor eine Eintrittskarte besorgt. Ich musste mir nur noch einen Weg durch die Badegäste bahnen, über Handtücher springen und am anderen Ende wieder heraus, statt den weiten Weg außen herum zu nehmen,“ berichtet er freudig. Mit dieser Aktion konnte sich Schlums im Endspurt noch um drei Plätze verbessern und sicherte sich abermals den zweiten Platz einer Tagesetappe, ohne die verblüfften Mitstreiter direkt zu überholen. Alles regelkonform, wie ihm der Veranstalter zusicherte. „Wir haben freie Streckenwahl und wer auf solch verrückte Ideen kommt, soll auch belohnt werden“, schmunzelte einer der dabei überholten Teilnehmer.

Tatkräftige Unterstützung von den Eltern

Tatkräftige Unterstützung von den Eltern

Tatkräftige Unterstützung von Eltern und Karlheinz Pfeiff

Optimale Unterstützung war das zweite Standbein für den WSV-Triathleten. Gepäcktransport und Verpflegung oblag seinen Eltern, die sich trotz ihres hohen Alters gerne mit dem Kraftfahrzeug auf den begleitenden Weg machten und alle damit verbundenen Strapazen auf sich nahmen. An zuvor verabredeten Orten wurden Verpflegung und Getränke gereicht. „Wenn man in einer Woche rund 45.000 Kalorien bei sportlichen Aktivitäten verbrennt, müssen diese auch irgendwie ans Rad kommen“, beschreibt Schlums sein Energiemanagement. Zudem war die Veranstaltungswoche extrem heiß mit Temperaturen bis zu 36°C und damit fünf bis acht Liter Wasserbedarf pro Tag, so dass alle dreißig Kilometer die Radflaschen getauscht wurden. Die Hauptaufgabe eines weiteren Unterstützers – Karlheinz Pfeiff – war die Mitwirkung bei der Navigation. „Karlheinz stand mit seinem Motorrad an wichtigen Abzweigen, die nicht verpasst werden durften, fuhr bei Stadtdurchfahrten immer 100 Meter zur besseren Orientierung vorweg und sicherte Querungen von Vorfahrtsstraßen in den Dörfern“, beschreibt Schlums die Aufgaben seines Freundes.

Nochmal Kräfte tanken

„Alles damit ich möglichst ungebremst das Ziel erreiche“, fügt er lachend hinzu, doch auch wenn es natürlich galt, die Strecken schnell zu bewältigen, nahm das vom Veranstalter gewählte Wertungssystem nach Platzziffern der Tagesetappen etwas Zeitdruck von den Athleten. „Da habe ich mir auf der vierzehn Kilometer langen schattenfreien Laufstrecke bei 36 Grad auf dem Donaudeich auch mal den Luxus erlaubt, während des Wettkampfes die Schuhe auszuziehen, minutenlang in der Donau zu erfrischen und auf meinen Unterstützer mit zusätzlichen Getränken zu warten,“ erklärt der Thieder. Die Laufstrecke war von diesem Punkt kilometerweit einzusehen und solange kein Mitstreiter am Horizont auftauchte, konnte er weiter abkühlen.

Vierter Platz für Thieder Christian Schlums

Am Ende dieses Triathlonabenteuers quer durch Deutschland erreichte Schlums nach insgesamt 18 Kilometer Schwimmen, 680 Kilometer Rad fahren und 65 km Laufen in einer Gesamtzeit von 34 Stunden und 10 Minuten in der Einzelwertung Rang 4. Damit war er hochzufrieden, „Ich wusste, dass ich gut vorbereitet war, aber das dies für so eine Topplatzierung reicht, hätte ich nicht gedacht,“ freute sich der WSV-Sportler zum Abschluss. Und welches Ereignis steht für den Thieder Ausdauersportler als Nächstes an? In den vergangenen vierundzwanzig Monaten hat Schlums zwei Ironman absolviert und ist Eintracht Braunschweig knapp 6.000 Kilometer auf dem Rad gefolgt und jetzt der Triathlon Across Germany – das reicht erstmal. 2016 sollen sportlich „die Beine hoch gelegt werden“. Im übernächsten Jahr warten vielleicht neue sportliche Abenteuer.

Ergebnisse des Triathlon Across Germany 2015 – Einzelwertung Männer

1. Harry Kühnelt (50), Dessau: Platzziffer 14, Gesamtzeit 30:29:49 h
2. Christian Sehorsch (40), Bad Soden: Platzziffer 25, Gesamtzeit 33:04:27 h
3. Ulf Oberndörfer (50), Rutesheim: Platzziffer 30, Gesamtzeit 33:48:59 h
4. Christian Schlums (52), Thiede: Platzziffer 44, Gesamtzeit 34:10:25 h

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