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WFH-PODCAST: Bleiben Wolfenbütteler Gymnasien erhalten?

10. Februar 2013 von
Keine Bange bei den Wolfenbütteler Rektoren trotz sinkender Schülerzahlen. Foto: Romy Marschall

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Oberstufenschüler

Am 17. Januar 2013 teilte der niedersächsische Philologenverband in einer Pressemitteilung seine Sorge um die künftige Sicherheit der Schulform Gymnasium mit. Der Verbandsauffassung nach gäbe es Indizien, die unter einer rot-grünen Landesregierung für eine Ersetzung der Gymnasien durch Gesamtschulen sprechen. Wir haben die Rektoren der drei Wolfenbütteler Gymnasien um eine Stellungnahme gebeten, über die wir hier berichten und veröffentlichen die Pressemitteilung des Philologenverbandes.


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Frank Oesterhelweg. Foto: CDU

Auch der CDU-Landtagsabgeordnete und CDU-Landesvorsitzende zeigt sich besorgt: „Ich bin schon gespannt, was da jetzt so passiert.“ In einem Pressegespräch sagte er, dass weitere Gesamtschulen zu erwarten seien. Auch im Landkreis Wolfenbüttel. „Es werden aber nicht mehr Schüler, von daher kann man schon die Frage stellen, welches der drei Wolfenbütteler Gymnasien wohl wegfallen wird.“ Der aus Werlaburgdorf stammende Politiker warb gegenüber unserer Online-Zeitung für den Bestand der Gymnasien: „Noch vor fünf Jahren war auch ich noch gegen Gesamtschulen. Nun hat unsere CDU-FDP-Landesregierung Gesamtschulen ermöglicht. Wir können aber, nur weil Landesregierungen wechseln, nicht ständig das gesamte Schulsystem verändern. Das halte ich für völlig falsch“, so Oesterhelweg.

WFH-PODCAST: „Wir werden sehr darauf achten, dass unsere Wolfenbütteler Gymnasien keinen Schaden nehmen“

Nach dem Pressegespräch gab Frank Oesterhelweg gegenüber unserer Online-Zeitung ein Statement zum Thema:

Philologenverband fordert „Keine Zwangs-Gesamtschule“

Noch vor der Landtagswahl vom 20. Januar ging der niedersächsische Philologenverband in die Offensive mit einer Pressemitteilung unter der Überschrift „Hände weg vom Gymnasium!“. Der Verband forderte von den Parteien SPD, Grüne und Linke „alle Angriffe auf die Existenz und Leistungsfähigkeit der Gymnasien endlich einzustellen und offensichtlich tiefsitzende Vorurteile endlich aufzugeben“. Verbandsvorsitzender Horst Audritz argumentierte mit Wahlprogrammen, in denen von der Gesamtschule als einer auch die Gymnasien „ersetzende Schulform“ gesprochen werde. Zudem wollen die Parteien laut Audritz die Ausbildung zum Gymnasiallehrer abschaffen. Es müsse Schluss sein mit einer Politik, die Gymnasien kaputtmache und das Wahlrecht der Eltern durch eine „Zwangs-Gesamtschule“ beschneide, heißt die abschließende Forderung. Die ungekürzte Pressemitteilung finden Sie hier.

Reaktionen der Wolfenbütteler Gymnasialrektoren

Hartmut Frenk, Schulleiter des Gymnasiums Große Schule, sagt, „die Gefahr der Abschaffung sehe ich überhaupt nicht“. Im Laufe seines Lehrerlebens sei das Schulsystem von vielen verschiedenen Landesregierungen fortentwickelt worden, die Gymnasien hätten das immer gut überstanden. Es sei eine Schulform, die mit Übertrittsquoten von 40-50 Prozent sehr stark nachgefragt werde. „Damit können wir uns mit vollem Selbstbewußtsein in der niedersächsischen Schullandschaft präsentieren.“

Hartmut Frenk, Schulleiter Große Schule. Foto: Marschall

Hartmut Frenk, Schulleiter Große Schule. Foto: Archiv

Ferner begrüße ich jede Schulform, die es schafft einem Kind einen qualifizierten Abschluß zu geben, erklärt der Schulleiter auf die Frage nach der Gesamtschule. „Wir müssen jedes Kind ernst nehmen und ihm optimale Entwicklungschancen bieten.“ Deutschland brauche so viele qualifizierte Abschlüsse wie möglich für die Zukunft. „Wir können uns nicht darauf verlassen, daß Deutschland das Ingenieursland bleiben wird“, führt Hartmut Frenk aus und verweist auf jährlich 400.000 ausgebildete Ingenieure in China. Daher sei die Gesamtschule nicht als Konkurrenz, sondern als eine Ergänzung zu sehen. Zudem sei davon auszugehen, daß mit einer Rückkehr zu 13 Schuljahren an den Gesamtschulen, „Entwicklungsverschiebungen von Kindern besser auszugleichen sind“.

Bedarf hinsichtlich der Lehrerausbildung sieht Schulleiter Frenk vor allem in puncto Inklusion. Bislang habe das Thema „keine alltagspraktische Rolle gespielt“. Hier gäbe es sowohl für die unterrichtenden wie die noch lernenden Lehrer Nachholbedarf bezüglich des fachmännischen Wissens über Inklusion. „Wir werden Experten sein, die von anderen dazu gemacht werden.“ Für die Große Schule stellt sich diese Herausforderung in besonderer Weise, da sie künftig als inklusive Schwerpunktschule für motorische Einschränkung fungieren werde. Gemeinsam mit dem Schulträger müsse man jetzt die Voraussetzungen für die Umsetzung schaffen, was mit vielen kleinen baulichen Veränderungen verbunden sei, so Frenk. „Inklusion ist ein Prozeß und kein Zauberschlag.“

Rudolf Ordon, Schulleiter des Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG), sieht ebenfalls keine direkte Gefahr der Gymnasien, befürwortet aber das Schreiben des Philologenverbandes. Eine Bevorzugung der Gesamtschulen sowie die Einführung eines Stufenlehrers in der Lehrerausbildung gefährde langfristig die Schulform Gymnasium, betont der Oberstudienrat. „Ich setze aber darauf, daß die Regierungsparteien wissen, daß es dafür keine Mehrheit geben wird.“ Sinkende Schülerzahlen sieht der Schulleiter als Chance: „Eine kleine Schule ist eine bessere Schule, weil sie kleinere Klassen hat.“ Er wolle keine „Lernfabriken“, schon jetzt sei das THG-Schulgebäude überlastet.

Rudolf Ordon, Schulleiter des THG. Foto: privat

„Gesamtschulen lehne ich grundsätzlich ab. Studien haben bewiesen, daß das dreigliedrige System überlegen ist.“ Das Konzept Gesamtschule könne zwar leistungsschwachen Schülern Chancen bieten, sei aber schlechter für leistungsstarke Schüler. Ordon befürchtet einen Mangel an Fachkompetenz an den Gesamtschulen. Das Gymnasium stehe auch im internationalen Vergleich gut da, „auf einer Höhe mit Finnland“ schildert der Schulleiter.

Reformbedarf sieht Rudolf Ordon in der Lehrerausbildung vor allem im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung. „Wir brauchen Regisseure, nicht Lernbegleiter“, fordert der Schulleiter. Referendare müssten eher mit der Praxis konfrontiert werden, ihre Persönlichkeit müsste stärker berücksichtigt werden. Dies sei auch das Ergebnis der 2009 veröffentlichten „Hattie-Studie“, erläutert Ordon. Die Studie konnte zeigen, daß der Lehrer der entscheidende Faktor in der Schulbildung sei.

Ulrike Schade, Schulleiterin des Gymnasiums im Schloß (GiS), teilt die Auffassung des Philologenverbandes nicht. Das Gymnasium spiele eine wichtige Rolle in der Schullandschaft und habe sich seit Jahrzehnten bewährt. „Ich habe keine Sorge, daß wir diesen Stellenwert verlieren.“ Sinkende Schülerzahlen bedeuteten für das GiS zunächst, „daß wir Luft zum Atmen haben“, schildert die Schulleiterin und berichtet von stark gefüllten Klassen.

Ulrike Schade, Schulleiterin Gymnasium im Schloß

„Die Gesamtschule sehe ich eher als Bereicherung denn als Konkurrenz“, äußert Ulrike Schade. Es gäbe unterschiedliche Lerntypen und denen könne nur eine breit aufgestellte Schullandschaft gerecht werden. „Wir müssen uns bemühen, jeden mitzunehmen, ganz gleich auf welchem Weg.“ Das Wichtigste sei die Durchlässigkeit in die eine wie die andere Richtung, erklärt die Schulleiterin. Ulrike Schade hält es nicht für ausgeschlossen, daß auch die Schulform Gesamtschule zu einer Regelschule werden könnte, wo eine Offenheit gegenüber Wechselschülern garantiert sei. „Durchlässigkeit ist das A und O, aber ein bißchen anstrengen soll sich auch jeder Schüler.“ Im Notfall müssten Entscheidungen revidiert werden und in der Folge eine Akzeptanz für die Entscheidung herrschen, die manchmal auch entlastend sein kann, erläutert die Pädagogin.

Ulrike Schade fordert in der Lehrerausbildung ebenfalls eine stärkere Berücksichtigung der Lehrerpersönlichkeit: „Ein Lehrer hat Vorbildfunktion, er muß begeistern und motivieren können.“ Dazu sei nötig, möglichst früh direkt in den Schulalltag einzusteigen. Unterstützungsbedarf sieht die Rektorin vor allem in puncto Inklusion. „Das können wir nicht so ohne weiteres leisten.“ Es handle sich bei Gymnasiallehrern und Förderschullehrern um zwei völlig verschiedene Ausbildungen, das dürfe man nicht vergessen. „Wir brauchen für die Inklusion personelle Unterstützung.“ Das Entscheidende ist, „daß jeder Schüler sich an seiner Schule wohlfühle und auch selbst etwas dafür tue“, faßt die GiS-Rektorin abschließend zusammen.

Anmeldungen an Wolfenbütteler Gymnasien haben sich verdoppelt

Trotz sinkender Schülerzahlen haben sich die Anmeldungen an den Gymnasien seit den 80er Jahren verdoppelt. Rudolf Ordon berichtet von 1.800 Schülern, die Mitte der 80er Jahre die drei Gymmasien besuchten. Heute seien es rund 3.400 Schüler. Durchschnittlich setze sich in Wolfenbüttel eine Gymnasialklasse aus rund 25 Schüler zusammen, in der Oberstufe seien die Zahlen noch geringer. Nach derzeitiger Rechtslage sind die Gymnasien verpflichtet, alle angemeldeten Schüler aufzunehmen, während die Gesamtschulen im Vorfeld festlegen, mit welchem Schlüssel sie die vorhandenen Plätze auf Schüler mit Gymnasial-, Hauptschul- oder Realschulempfehlung verteilen.

 

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