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„Wir schenken Sternenkind-Eltern eine bleibende Erinnerung“

19. November 2017 von
Die Organisation "DEIN STERNENKIND" wurde Anfang 2013 durch den freien Fotografen und Filmemacher Kai Gebel gegründet. Fotos: Marian Hackert/dein-sternkind.eu
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Region. Wenn aus dem größtmöglichen Glück werdender Eltern plötzlich der tragischste Schicksalsschlag ihres Lebens wird, lassen Bestürzung, Trauer und Hilflosigkeit die eigene Welt in sich zusammenfallen. Die Fotografen von "Dein Sternenkind" helfen mit ihren Bildern, einen liebevollen und bewussten Abschied vom geliebten Baby zu ermöglichen.

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„Das erste Mal bin ich 2015 im Internet auf die Sternenkind-Organisation aufmerksam geworden“, berichtet Jan Schlüter. Er ist einer von vier ehrenamtlichen Sternenkind-Fotografen in der Region Braunschweig/Wolfsburg. Seitdem habe ihn das Thema nicht mehr losgelassen, doch es dauerte einige Zeit bis er sich dazu durchrang, aktiv zu werden. Schlüter ist einer von rund 600 Fotografen in Deutschland und Österreich, die für die Organisation „Dein Sternenkind“ würdevolle und einfühlsame Fotografien sterbender oder bereits verstorbener Babys anfertigt. Pro Jahr kommen laut der Organisation zirka 2.500 bis 3.000 Sternenkinder auf die Welt. Seit Januar 2016 ist der gelernte Krankenpfleger nun bereits als „Sternchen-Fotograf“ in der Region unterwegs. Seinen ersten Einsatz hat er noch sehr gut in Erinnerung: „Ich hatte feuchte Hände, aber allzu viel Zeit zum Überlegen bleibt ja gar nicht. Lediglich auf dem Weg zum Krankenhaus ist man mit seinen Gedanken allein. Dann denkt man zum einen an die Eltern, wie es ihnen geht und wie sie reagieren werden, und dann natürlich auch an das Kind.“

Erlebtes nicht mit nach Hause nehmen

Jan Schlüter aus Dettum ist seit Januar 2016 als Sternenfotograf in der Region unterwegs.

Schlüter konnte als Krankenpfleger einige Erfahrungen mit dem Tod sammeln. Bisher hat er zehn Sternenkinder, unter anderem in Hildesheim, Helmstedt, Quedlinburg, Hannover und Wolfenbüttel porträtiert. „Das sind süße kleine Babys, die friedlich daliegen. Ich versuche sie dann schön in Szene zu setzen“, beschreibt der zweifache Vater die Situation. Ab dem Moment, wo er zur Kamera greift, sei er jedoch nur noch Fotograf. Die Stimmung vor Ort beschreibt er als „selig und ruhig“. Dabei seien die Reaktionen der Eltern vielfältig. „Manche reagieren gefasst, andere wollen beim Fotografieren nicht dabei sein und sind am Boden zerstört“, so der 59-Jährige. Natürlich lassen auch ihn die Schicksale nicht kalt: „Nach einem Einsatz gehe ich oft spazieren, um einen freien Kopf zu bekommen und das Erlebte nicht mit nach Hause zu nehmen“, erklärt der Fotograf aus Dettum. 

Sternenkinder  nicht zwangsläufig Babys 

Ähnlich hält es Bastian Tiehe, der seit Anfang des Jahres ebenfalls als Sternenkind-Fotograf in der Region unterwegs ist. „Ich kann von meiner Arbeit schon Abstand nehmen, dass muss ich auch“, so Tiehe. Dennoch könne es Fotografen, die nicht so gefestigt sind, passieren, dass sie schweißgebadet aufwachen, denn schließlich teile man sehr emotionale Momente mit den Eltern. Den Schritt zum Sternenkind-Fotografen habe er bewusst getan: „Ich wollte etwas machen, wo ich gebraucht werde. Es ist ein schönes Gefühl, dass meine angebotene Hilfe dankend angenommen wird. Und auch wenn es sich in diesem Zusammenhang blöd anhört – es macht Spaß.“ Auf die Sternenkind-Organisation aufmerksam wurde er durch einen Bericht auf regionalHeute.de. Wie Schlüter hat auch Bastian Tiehe verschiedene Requisiten und Kleidung für die Kinder dabei. „Viele Ehrenamtliche verschiedener Organisationen nähen extra für die Sternchen Kleidung in allen Größen“, berichtet der Wolfenbütteler. Auch Kerzen und Kuscheltiere bringe er immer mit zu den Einsätzen. „Sternenkinder müssen nicht zwangsläufig Babys sein“, berichtet Jan Schlüter, auch schwerkranke Kleinkinder, die infolge ihrer leidensreichen Krankheit sterben, würden von den Fotografen abgelichtet. 

Im Podcast berichtet Sternenkind-Fotograf Jan Schlüter über seine Arbeit und wie es ihm gelingt, sich emotional von dieser zu distanzieren.

Bilder helfen mit dem Tod des Kindes zu leben

Bastian Tiehe hat sich bewusst für die Arbeit als Sternenkind-Fotograf entschieden.

Die Bildmotive können dabei sehr unterschiedlich sein. Ob allein, im Kreise der Familie oder auch mit Verwandten – viele Wünsche können die Fotografen erfüllen. Eine Familie nahm ich Baby sogar mit nach Hause. Im Kreise der Verwandten entstanden so ganz intime Andenken. „Das war das Emotionalste, was ich bisher erlebt habe“, erinnert sich Jan Schlüter. Die Fotos werden von den Fotografen professionell bearbeitet, meist als schwarz-weiß Retuschen. Hier müsse darauf geachtet werden, keinen zusätzlichen Schaden anzurichten, erklären die beiden Fotografen. Unbearbeitete Farbfotos würden sie nur auf expliziten Wunsch der Eltern herausgeben. Die Bilder sollen vor allem helfen, mit dem Tod des geliebten Kindes zu leben, nicht diesen zu verdrängen. So sind die Bilder auch immer ein Zeugnis für die Existenz – oder auch den Tod – des kleinen Menschen. Zusätzlich bieten sie auch eine Stütze für die verblassende optische Erinnerung und sind damit auch ein wichtiger Teil im Trauer- und Heilungsprozess. Oftmals halten die Fotografen auch noch lange Zeit danach Kontakt zu den Eltern. 

Einfühlungsvermögen ist besonders wichtig

Diese Portraits werden für die Eltern zu einer greifbaren Erinnerung an ihr geliebtes Kind.

Wer als Sternenkind-Fotograf tätig werden möchte, muss daher auch einiges an technischem Know-How, aber vor allem auch Einfühlungsvermögen mitbringen. „Der Fotograf sollte fest im Leben stehen und nicht vorbelastet sein“, erörtert Jan Schlüter. Zudem sollte man sich bewusst sein, dass die Arbeit auch Nachwirkungen habe könnte. Hilfe bei der Verarbeitung des Erlebten bietet das Fotografen-Forum auf der Homepage der Organisation. Hier können sich die Kollegen austauschen und von ihren Einsätzen berichten. „Es tut gut, das Ganze nochmal loszuwerden“, erklärt Bastian Tiehe. Die Erlebnisberichte sind zudem auf der Homepage für jedermann nachlesbar. Potentielle Interessenten hätten immer die Möglichkeit, die Fotografen zu kontaktieren und mitunter auch einmal einen Einsatz zu begleiten. Freuen würden sich die beiden Fotografen, sowie ihre Kolleginnen Theresa Rettstadt und Nadine von Kolczynski, wenn weitere Kliniken eine Kooperationen mit ihnen eingehen würden. 

600 ehrenamtliche Fotografen bundesweit im Einsatz 

Eltern von Sternenkindern können sich unter der Homepage www.dein-sternkind.eu melden, einer von bundesweit rund 600 ehrenamtlich arbeitenden Fotografen nimmt dann Kontakt auf. „Jeder Sternenkind-Fotograf kann sich ausweisen und nimmt für seine Arbeit kein Geld“, so Jan Schlüter. In der Vergangenheit habe es diesbezüglich leider bereits einige Vorfälle mit falschen Sternenkind-Fotografen gegeben. Dabei gehe es doch darum, den Eltern eine bleibende, schöne Erinnerung zu schenken, dies sei Motivation genug, meint Schlüter. 

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