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Tickende Gefahr: Bomben unter Wolfenbütteler Boden

27. Juli 2015 von
Diese Fliegerbombe lag jahrelang im benachbarten Braunschweig nur wenige Meter unter der Erde. Fotos: Robert Braumann

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Landkreis. Unter Wolfenbütteler Boden dürften auch 70 Jahre nach Kriegsende noch mehrere Fliegerbomben unentdeckt liegen. Bomben die nach ihrem Abwurf bei Luftangriffen der alliierten Streitkräfte nicht detonierten. So genannte Blindgänger. Eine These, die der Historiker und Kreisheimatpfleger Markus Gröchtemeier auf Anfrage von RegionalWolfenbüttel.de stützt.


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Während am heutigen Montag, vor genau einer Woche, bei Bauarbeiten nahe des Braunschweiger Hauptbahnhofes eine 500 Kilogramm schwere Bombe aus dem zweiten Weltkrieg entdeckt und umgehend entschärft wurde, kann niemand genau sagen, wo überall diese ruhenden Gefahren noch liegen. Für die Braunschweiger Bombe ist sich der Sprengmeister des Kampfmittelräumdienstes Michael Tillschneider sicher: eine Explosion der mit 230 Kilo Sprengstoff beladenen Fliegerbombe „wäre ein Supergau“ für Braunschweig geworden (RegionalBraunschweig.de berichtete).

Angriff auf den Landkreis Wolfenbüttel

Hier wird die Braunschweiger Bombe für den Abtransport gesichert.

Hier wird die Braunschweiger Bombe für den Abtransport gesichert.

Am 14. Januar 1944 verfehlte ein britischer Bomberverband der Royal Air Force das Hauptziel Braunschweig und entlud die Hauptlast von 494 Sprengbomben, 13 Minen, 7.410 Phosphorbrandbomben und insgesamt 68.600 Stabbrandbomben über insgesamt 23 Ortschaften, des sich eigentlich in Sicherheit wiegenden Landkreises Wolfenbüttel. Am schwersten betroffen waren die Ortschaften Groß Denkte und Wendessen. Zahlreiche Menschen verloren an diesem Tag ihr Leben.

Einen weiteren großen Angriff, bei dem ebenfalls das Hauptziel Braunschweig verfehlt wurde, flogen am elften Jahrestag der Machtergreifung durch Adolf Hitler, dem 30. Januar 1944, 599 Bomber der US-Air-Force auf Salzdahlum. Wieder wurden zahlreiche Bomben abgeworfen, wieder starben zahlreiche Menschen.

Wenige Tage vor Kriegsende, am 29. März 1945, war die Stadt Wolfenbüttel, hier vor allem der Bereich der Juliusstadt, noch einmal schweren Bombardements ausgesetzt.

Jede vierte Bombe ein Blindgänger

Das ist der Zünder der 500kg Bombe aus Braunschweig.

Das ist der Zünder der 500kg Bombe.

Wie Markus Gröchtemeier in einem über diese Zeit für den Landkreis Wolfenbüttel geschriebenen Buch („Nationalsozialismus auf dem Land – Der Landkreis Wolfenbüttel in den Jahren 1933 bis 1945“) festhält, explodierte statistisch etwa jede vierte Bombe nicht beim Aufprall. „Mit Sicherheit liegen irgendwo unter der Erde noch Blindgänger“, ist sich Gröchtemeier im Gespräch mit unserer Online-Zeitung sicher.

Wo genau die Bomben liegen könnten ist jedoch unklar. Im ländlichen Bereich werde nicht soviel gebaut wie in der Stadt, wodurch die Blindgänger seltener entdeckt würden, so der Kreisheimatpfleger.

Kreis und Stadt haben keine Erkenntnisse über Blindgänger

In der Stadtverwaltung gibt es keine Erkenntnisse über etwaig unter der Erde schlummernde Blindgänger. Foto: Donner

In der Stadtverwaltung gibt es keine Erkenntnisse über etwaig unter der Erde schlummernde Blindgänger. Foto: Donner

Bei der Stadt sowie dem Landkreis Wolfenbüttel gibt es keine Erkenntnisse über etwaige Orte von Blindgängern. Auf Anfrage von RegionalWolfenbüttel.de erklärt Thorsten Raedlein, Abteilungsleiter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Wolfenbüttel: „Der Stadtverwaltung liegen aktuell keine Erkenntnisse oder Vermutungen über bislang im Erdreich liegende Bomben vor. Sollten derartige Erkenntnisse oder Vermutungen vorliegen, müssten diese kurzfristig durch entsprechende Oberflächensondierungen überprüft werden.“

Im Zuge der Wohnbauerschließung „Am Gute“ in Wendessen hätte man im Frühjahr 2006 Flächen hinsichtlich möglicher Kampfmittel des zweiten Weltkrieges untersucht. Gefunden habe man jedoch lediglich Reste von Stab-Brandbomben, jedoch keine scharfen Bomben.

Auswertung beim Kampfmittelbeseitigungsdienst

Der Landkreis Wolfenbüttel verweist an den Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen, der für die Auswertung etwaiger Bomben-Fundorte zuständig sei. Für eine Stellungnahme zu möglichen Luftbildauswertungen oder Erkenntnissen für den Landkreis Wolfenbüttel war bis zur Veröffentlichung dieses Artikels kein Ansprechpartner erreichbar. Auf seiner Internetseite schreibt der Kampfmittelbeseitigungsdienst: „Auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt muss davon ausgegangen werden, dass noch große Mengen von nicht erkannten Kampfmitteln im Erdreich vorhanden sind. Auch nach Jahrzehnten der Lagerung dieser Kriegslasten im Boden ist die Gefahr, die von diesen verschiedensten Kampfmitteln ausgeht, nicht gemindert. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen hat die Möglichkeit für Sie im Vorfeld von Baumaßnahmen Luftbildauswertungen anzufertigen, die eine Aussage treffen können, inwieweit Kriegseinwirkungen durch Luftangriffe vorhanden sind.“

Sehen Sie jetzt im Video:

Bombenentschärfung hielt Braunschweig in Atem

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