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5. März 2015
Seit 140 Jahren „Löschen, Retten, Schützen, Bergen“

Mit einem Kommersabend begannen die diesjährigen Feierlickheiten zum 140-jährigen Bestehen der Feuerwehr Adersheim. Ortsbrandmeister Holger Helwig durfte sich auch über den Besuch der Partnerwehr Wienrode freuen, Wehrleiter Reiner Salvey überreichte ein Geschenk. Fotos: privat
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Adersheim. 140 Jahre Freiwillige Feuerwehr Adersheim – mit einem Kommers wurde dieses Jubiläum jetzt gefeiert.


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Ortsbrandmeister Holger Helwig begrüßte neben den Kameraden der Einsatzabteilung auch die Mitglieder der Kinder sowie Jugendfeuerwehr, Fördernde und die Kameraden der Altersabteilung. Auch Stadtbrandmeister Rüdiger Hartmann und Kreisbrandmeister Tobias Thurau konnten begrüßt werden. Neben dem 140-jährigen Bestehen der Feuerwehr Adersheim, gab es aber auch die 25-jährige Partnerschaft mit der Feuerwehr Wienrode als Anlass, weshalb auch eine Abordnung um Wehrleiter Rainer Salvey herzlich begrüßt wurde. Begrüßen durfte Ortsbrandmeister Helwig auch Adersheims Ortbürgermeisterin Alexandra Reinhardt, die Stadtratsmitglieder Hiltrud Bayer (SPD) und Professor Dr. Christoph Helm (CDU) und den stellv. Landrat Bruno Polzin.

Holger Helwig nutzte den Anlass für einen Rückblick auf die Geschichte der Adersheimer Wehr. Am 23. Februar 1875 wurde die Freiwillige Feuerwehr Adersheim ins Leben gerufen. Als erstes Einsatzmittel stand eine Handdruckspritze zur Verfügung, die von einem Pferd gezogen wurde. Mit einem Löschgruppenfahrzeug, dem Opel Blitz gab es 1954 das erste motorisierte Fahrzeug. Dieses konnte Mitte der 60er Jahre auch im gebauten Feuerwehrhaus untergebracht werden. Dieses Feuerwehrhaus ist auch heute noch erhalten. Über die Folgejahre hinweg wurde die Fahrzeugtechnik stetig verbessert – bis ins Jahr 1992, als das noch heute aktive Löschgruppenfahrzeug 8/6 in Dienst gestellt wurde. Ende der Neunzigerr Jahre wurde dann das Feuerwehrhaus an der Leinder Straße bezogen.

Nach dem Rückblick richteten die Gäste ihre Glückwünsche und Grußworte aus und zahlreiche Geschenke wurden überreicht. Dem schlossen sich auch Stadtbrandmeister Hartmann und Kreisbrandmeister Thurau sowie Wienrodes Wehrleiter Salvey an. Im weiteren Verlauf wurden Ehrungen, Ernennungen und Beförderungen vorgenommen. Marco Langer wurde zum Feuerwehrmannanwärter ernannt. Curtis Radmer und Tobias Sobiech wurden zu Feuerwehrmännern und Carina Rischke zur Feuerwehrfrau befördert. Marcel Schnute bekam die Beförderung zum Oberfeuerwehrmann. Adersheims stellvertretender Ortsbrandmeister Florian Moder ist nun Löschmeister.

Ein Ehrenzeichen für langjähre Mitgliedschaft bekamen Frank Niebuhr für 25 Jahre, Josef Bail für 40 Jahre und Jürgen Sonnenberg für 50 Jahre verliehen. An Rudolf Bail wird nachträglich noch das Ehrenzeichen für 40-jährige fördernde Mitgliedschaft überreicht. Frank Ahrend bekam für langjährige Tätigkeit in der Jugendfeuerwehr die Ehrennadel der niedersächsischen Jugendfeuerwehr in Silber verliehen. Peter Keilholz und Jürgen Sonnenberg wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der Festkommers klang bei einem gemütlichen Mettwurstessen ausgestaltet von der Fleischerei Frank Heine aus.

Aus der Chronik der Wehr

Als der Mensch gelernt hatte, Feuer zu erzeugen, musste er gleichzeitig erkennen, dass er durch dieses Element gefährlich bedroht werden konnte. Häufig erlitt der Mensch Schaden, wenn das Feuer sich seiner Kontrolle entzog. Der Ortschronik ist zu entnehmen, das 1778 die Kirchenglocke Anzuschlagen sei um die Feldarbeiter im Brandfall zu gemeinsamer Hilfe herbeizurufen. Hier passt schon der Leitspruch „Gott zur Ehr dem nächsten zur Wehr“. Als Löschmittel nahm man Wasser, dass in Ledereimern mit einer Menschenkette vom Tanklöschgefährt, einem Holzfass, das durch Pferde auf einem Schlitten gezogen, an den Brandherd befördert wurde. Zu diesem Zeitpunkt sollte es noch fast einhundert Jahre bis zur Gründung der Feuerwehr Adersheim dauern. Daneben versuchte man schon früh, dem Entstehen von Bränden durch Bauvorschriften entgegenzuwirken. Diese befassten sich insbesondere mit der gesicherten Herrichtung der Feuerstätten und ihren Rauchabzügen sowie mit der Einhaltung von Mindestabständen zwischen den Bauwerken oder mit deren Unterteilung durch Brandwände.

Im Herzogtum Braunschweig wurde am 5. Mai 1874 das „Gesetz, des Feuerhülfswesen betreffend…“ veröffentlicht. Es löste die bis dahin geltende „Allgemeine Feuerordnung für die Landgemeinden“ aus dem Jahre 1832 ab. Die Gemeinden bekamen die Auflage, eine „Feuerwehr, zur Bekämpfung der Schadenfeuer…“ zu bilden. Die Freiwillige Feuerwehr Adersheim wurde am 23. Februar 1875 gegründet und zählte zwölf Gründungsmitglieder. Neben dem ersten Hauptmann Christian Bode gab es bereits Funktionen innerhalb der Gruppe. So gab es Spritzenmeister, Steiger und die Bedienungsmannschaft. Des Weiteren gab es eine Ordnungsmannschaft, die beim Bedienen der Pumpe half. 1879 hatte die Feuerwehr bereits die Mindeststärke von 24 Kameraden erreicht. Die Ordnungsmannschaft bestand aus 34 Männern. Noch im Gründungsjahr kaufte die Gemeinde Aderheim für 650 Taler eine Handdruckspritze aus der Fabrik Louis Tidow in Hannover. Die Stadt- und Landspritze konnte mit Hilfe von zwölf Feuerwehrleuten 250 Liter Wasser pro Minute 32 Meter weit werfen. Die Handdruckspritze ist heute noch im Besitz der Feuerwehr Adersheim. 1919 wurde Heinrich Meier neuer Hauptmann.

49 Jahre später wurde die Handdruckspritze 1924 durch die Müllersche Kraftspritze ersetzt. 1924 wurde Hermann Gödecke zum Hauptmann gewählt. Er wurde 1933 von Ernst Bode als Ortsbrandmeister abgelöst. Im Kriegsjahr 1943 wurde eine Tragkraftspritze der Firma Flader durch die Gemeinde beschafft. Diese wurde mittlerweile dem Feuerwehrmuseum Zeven als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. 1937 wurde an das alte Spritzenhaus am Melkeweg ein Schlauchturm angebaut. Wann genau das Haus erbaut wurde, war bis heute nicht zu recherchieren. Man kann allerdings davon ausgehen, dass für die gekaufte Handdruckspritze an diesem Ort bereits ein Spritzenhaus gebaut wurde. Fast 80 Jahre nach Gründung der Feuerwehr hat es gedauert, bis das erste Feuerwehrauto, wie wir es uns heute vorstellen und kennen, beschafft wurde. 1954 konnte die Feuerwehr Adersheim einen Opel BLITZ ihr eigen nennen. 1962 wurde Hermann Alpers Ortsbrandmeister. 1966 wurde das Spritzenhaus abgerissen und durch den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses ersetzt. Der Schlauchturm, der als nicht mehr standsicher galt, wurde im Zuge des Neubaus auf die heute noch sichtbaren zirka 7,50 Meter eingekürzt. Da seit der Gründung 1875 bis heute ausschließlich die Gemeinde für die Ausstattung und Finanzierung der Feuerwehren zuständig war und ist, hatte die Einsatzabteilung maximal 24 Mitglieder um Kosten einzusparen. Erst Mitte der sechziger Jahre wich man von dieser Praxis ab, da die vorgeschriebene Mindeststärke nicht mehr einzuhalten war.

1971 übernahm Hermann Bode die Leitung der Feuerwehr Adersheim. Unter seiner Leitung wurde am 18. November 1972 die Jugendfeuerwehr gegründet. Erster Jugendfeuerwehrwart wurde Rudolf Bergien. Die Gründung war auch der Grundstein, dass im Gegensatz zu anderen Feuerwehren die Feuerwehr Adersheim eine der ersten Wehren war, die Frauen in der Einsatzabteilung aufgenommen hat. Heute wird die Jugendfeuerwehr von Benjamin Rischke und Curtis Radmer geleitet und von Carina Rischke und Jannik Jäger als Betreuer unterstützt. 1974 wurde der Opel Blitz durch ein LF 8 mit Mercedes Benz Fahrgestell und Metz Aufbau angeschafft. Dieses Fahrzeug versah seinen Dienst bis 1990. 1977 wurde Rudolf Bergien Ortsbrandmeister. Für die Übergangszeit bis zur Auslieferung unseres heutigen Feuerwehrfahrzeuges 1992 nutzen die Adersheimer das ausgemusterte HI LF der Feuerwehr Halchter. 1992 kam dann dass erste Löschgruppenfahrzeug mit Wassertank was bis heute mal mehr und mal weniger Zuverlässig seinen Dienst versieht. Die Übergabe war die erste offizielle Amtshandlung vom neu gewählten Ortsbrandmeister Reiner Bergien.

1990 wurde das geteilte Deutschland vereint. Bereits im Juni wurde zwischen Wienrode und Adersheim eine „Ortsfreundschaft“ geschlossen. Seit nunmehr 25 Jahren besteht auch die Freundschaft zwischen den Feuerwehren beider Orte. Nach der anfänglichen Euphorie auf beiden Seiten mit gegenseitigen Besuchen zu zahlreichen Veranstaltungen kehrte nach einigen Jahren etwas Ruhe ein. Jede Feuerwehr hatte mit ihrer eigenen Entwicklung zu tun. Umso mehr freue ich mich persönlich, dass wir uns nun seit mehreren Jahren wieder regelmäßig jedes Jahr bei verschiedenen Veranstaltungen mit großer Teilnahme beiderseits besuchen. Da das alte Gerätehaus und der Schulungsraum im Dorfgemeinschaftshaus nicht mehr zeitgemäß waren, wurde Anfang der Neunziger Jahre nach einem Grundstück für den Bau eines Feuerwehrhauses gesucht. Die Entscheidung fiel Mitte der Neunziger Jahre auf den heutigen Standort in der Leinder Straße. Mit sehr viel Elan und Eigenleistung bauten die Mitglieder aller Abteilungen in mehr als 6.000 Stunden Eigenleistung dieses Haus. Rückblickend kann man sagen, dass es eine signifikante Verbesserung war, die lange Bauzeit aber doch zu Lasten der Kameradschaft ging.

Im November 1998 wurde das Haus offiziell übergeben. Hausherr war Frank Ahrend, der seit 1997 das Amt des Ortsbrandmeisters inne hatte. Dieser übergab die Amtsgeschäfte 2010 an den mittlerweile elften Ortsbrandmeister Holger Helwig. In diesem Jahr konnte zum 135. Bestehen der Ortswehr eine neue Abteilung, die Kinderfeuerwehr mit dem Namen – Feuerwehrmäuse – gegründet werden. Geleitet wird sie seitdem von Julia Kottwitz und Jessica Helwig. Zahlreiche Kinder waren bei der Gründung dabei. Aus der Kinderfeuerwehr konnte die ersten Kinder bereits in die Jugendfeuerwehr übernommen werden.


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