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Nach Hilferuf: Von der Polizei enttäuscht

8. Juni 2015 von
In Sorge um einen Nachbarn rief eine Wolfenbüttelerin die Polizei - und wurde von dieser enttäuscht. Foto: Christina Balder/Archiv

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Wolfenbüttel. Die 23-jährige Wolfenbüttelerin Nina Piep stand gerade in ihrer Küche und kochte Mittagessen, als sie von draußen laute Geräusche, Geschrei und Geheul vernahm. Sie öffnete ihr Fenster, blickte heraus und entdeckte im Wohnhaus gegenüber einen Mann, der sich offenbar in einem seelischen Ausnahmezustand befand. Er heulte, schrie, schlug gegen die Jalousien der Fenster und zerlegte Mobiliar. Viele Nachbarn von Nina Piep standen ebenfalls an ihren Fenstern und beobachteten die Geschehnisse, während Piep sich in Sorge um den Mann, dass dieser sich etwas antun könne, dazu entschied die Polizei zur Hilfe zu rufen – und von dieser letztendlich persönlich enttäuscht wurde.


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110 Notruf Telefon Foto: Werner Heise

110 – die bundesweite Notrufnummer der Polizei.

Eine Polizeibeamtin und ein Polizeibeamte sind nach dem Anruf der 23-Jährigen vorbei gekommen, wobei das Geschehen kurz vor deren Eintreffen ein Ende gefunden hatte. Ab diesem Zeitpunkt habe sich die Wolfenbüttelerin von der Polizei plötzlich in eine Rechtfertigungslage gestellt gesehen. In forschem Ton und von oben herab hätte der Beamte sie gefragt, warum sie denn nun die Polizei gerufen hätte und was sie denken würde was die Polizei tun solle. Eine Frage die er ihr auf unfreundliche Weise immer wieder gestellt haben soll. Am Ende sei er mit den Worten gegangen, dass sie nichts machen würden.

Nina Piep verstand die Welt nicht mehr und meldete sich kurz darauf aufgelöst und ratlos in unserer Redaktion. „Es ist immer von Zivilcourage die Rede, doch wenn man sie an den Tag legt ist es auch nicht recht. So schnell werde ich die Polizei sicherlich nicht wieder anrufen.“, sagt sie und weiter: „Ich hatte Sorge, dass der Mann sich etwas antun könnte, möglicherweise vom Balkon springen würde.“

„Sie hat alles richtig gemacht“

Lutz Zeidler, Polizei Wolfenbüttel Foto: Anke Donner

Leiter des Einsatz- und Streifendienstes in Wolfenbüttel, Erster Polizeihauptkommissar Lutz Zeidler. Foto: Anke Donner / Archiv

Doch Nina Piep hat mit ihrem Notruf genau richtig gehandelt, wie der Leiter des Einsatz- und Streifendienstes in Wolfenbüttel, Erster Polizeihauptkommissar Lutz Zeidler, im Gespräch mit RegionalWolfenbüttel.de bestätigt. „Sie hat alles richtig gemacht und hierfür auch nur Respekt verdient“, erklärt Zeidler. Man wolle sehr wohl, dass die Menschen wachsam sind und Zivilcourage zeigen. Auch wenn die Möglichkeiten der Polizei in dem vorliegenden Fall etwas auszurichten sehr gering waren und man je nach Lage ganz genau auch die gesetzlichen Bestimmungen beachten müsse, so sei es eben genau die Aufgabe der Polizei dies abzuwägen.

Das Verhalten des Polizeibeamten sei nicht der Anspruch der Wolfenbütteler Polizei, was Zeidler auch sofort in einem persönlichen Telefongespräch mit Nina Piep erklärte und sich bei ihr für den Vorfall entschuldigte. Er hofft, dass sie künftig wieder Vertrauen in die Polizei finden kann.

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