Kinokritik „Abgang mit Stil“

30. April 2017
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Symbolfoto: Anke Donner; Podcast: Christina Ecker
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Wolfenbüttel. Seit Kurzem läuft im CineStar Wolfenbüttel „Abgang mit Stil“. Der Film deckt gleich zwei Genres ab: Heist-Movie und Komödie. Wie sehenswert der Streifen ist, hat regionalHeute.de mal überprüft.

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Hach, wie schön: Der goldene Herbst des Lebens ist da! Die Rente winkt am Horizont, man hat mit den besten Freunden nicht nur jahrzehntelang den gleichen Arbeitsalltag geteilt, sondern auch alle Höhen und Tiefen des Lebens. Klingt perfekt. Bis man plötzlich ohne Geld dasteht. Die Rente löst sich in Wohlgefallen auf, das Haus soll einem unter dem Hintern weggepfändet werden. Was tun? Rechnungen bezahlen sich nicht von selbst und Familien wollen auch versorgt sein. Drastische Zeiten erfordern drastische Maßnahmen. Und so entschließt sich das Seniorentrio Joe, Willie und Al zu einer lebensverändernden Tat: Warum nicht eine Bank ausrauben?

Zutaten für ein Erfolgsrezept

Man nehme drei hochklassige Schauspieler, die schon alles erreicht und nichts zu verlieren haben, wie Sir Michael Caine (The Dark Knight, Inception), Morgan Freeman (Die Verurteilten, Sieben) und Alan Arkin (Argo, Little Miss Sunshine) und der Film erzählt sich fast wie von selbst. Gibt man dann noch eine solide Handlung hinzu, die sich an dem Film „Die Rentner-Gang“ von Martin Brest aus dem Jahre 1979 orientiert, ist die Mischung perfekt. Ein paar Auftritte von alten Bekannten der Schauspielbranche – wie Christopher Lloyd (Zurück in die Zukunft I-III) und Matt Dillon (Verrückt nach Mary) – würzen das Ganze noch nach und schon ist sie fertig: eine köstliche Mischung aus Spaß und Unterhaltung. Die Kirsche auf der Torte ist dann noch der Regisseur:
Zach Braff, der den meisten als fantasiereicher Tagträumer und Blödelkasper „JD“ in der Erfolgsserie „Scrubs“ bekannt sein dürfte, hat bei „Abgang mit Stil“ Regie geführt und damit einen wirklich guten, unterhaltsamen Film hingelegt. Die Handlung ist ein Selbstläufer mit den drei – plötzlich mittellos gewordenen – Männern im besten Alter. Nette Kerle. Unscheinbare Kerle. Menschen, denen man im Supermarkt begegnet, die Kindern in der Nachbarschaft Musikunterricht erteilen, sich um ihre Enkel kümmern und einfach stolze Großväter sind. Nette, alte Kerle. Die sich dann eines Tages dazu entschließen, nicht tatenlos zuzusehen, wie Banken und Staat ihr Leben zerstören.

Von der Schnapsidee zur Realität

Der Film kennt ein Feindbild: den Kapitalismus unserer Zeit. Das hehre Ziel von Joe (Caine), Willie (Freeman) und Al (Arkin) sich zurückholen zu wollen, was ihnen zusteht, mag vielleicht einen ersten Gedanken aufwerfen in Richtung „als ob das der einzig logische Schluss wäre, eine Bank auszurauben“, aber die Wahrheit ist: Ja, es ergibt tatsächlich Sinn. Möglich macht das der Handlungsaufbau: Zunächst wird Joe selbst Zeuge eines – wirklich sehr gut geplanten – Banküberfalls und von da an steht das „Was wäre, wenn?“ einer solchen Tat im Raum. Als dann eine Hiobsbotschaft die nächste jagt, die Männer um ihre Rente geprellt werden und Joe sein Haus zu verlieren droht, wird die Schnapsidee – die vielleicht viele schon mal hatten – zur einzig logischen Konsequenz. Und die ganze Entwicklung des Trios bis zu dem Zeitpunkt, an dem der große Coup begangen werden soll, wird nicht nur schauspielerisch toll umgesetzt, sondern auch durch die Handlung, die ziemlich dicht gewoben ist. Nicht eine Sekunde zweifelt der Zuschauer daran, dass diese drei alten Knaben es total verdienen, das Geld zu bekommen; weil sie einfach gute Kerle sind. Glauben Sie, moralisch gefestigt zu sein? Leider werden Sie wohl zu keiner Zeit auf Seite der Behörden sein, angefangen vom irrwitzig arroganten Bankangestellten bis hin zum FBI-Agenten. Vielmehr wird mitgefiebert, wie diese drei nicht mehr ganz knackigen Gesellen es rein körperlich und gesundheitlich schaffen wollen, so einen Überfall zu überstehen, ganz zu schweigen davon, ihn selbst durchzuführen.

Besuchermeinungen

Fazit

Dieser total kurzweilige Film macht Spaß. Es gibt einige witzige Situationen…
Da die kurze Frage: Sie planen nicht zufällig Ähnliches und sind noch auf der Suche nach einem Fluchtgefährt? Ganz unter uns: Greifen Sie nicht zu einem elektrischen Rollstuhl!

Tatsächlich driftet der Witz des Films so gut wie nie ins Lächerliche ab und die Beleuchtung der einzelnen Charaktere – wie sie leben, wen sie lieben – sorgt nur für ein einziges Problem: sich nicht entschließen zu können, wen der drei man mehr mag. Die ganze Stimmung des Films ist liebenswert und manchmal sogar anrührend, auch wenn man zuvor noch gelacht hat. Nicht zu vergessen: Es sind durchaus auch actionreiche und spannende Momente vorhanden, die zum Mitfiebern einladen und einen das Popcorn vergessen lassen. Es gibt also gute Gründe, sich den Film anzusehen. Es lohnt sich allein schon, wenn man auch nur einen der Schauspieler richtig gut findet – zu dritt sind sie ein spitzenmäßiges Triumvirat und interagieren so natürlich, dass man annehmen könnte, sie seien auch fernab der Kameras beste Freunde.

Oder darf es vielleicht ein Film sein, der kurzzeitig über den Alltag hinwegrettet und einem 97 Minuten beste Unterhaltung schenkt sowie liebevoll gezeichnete Charaktere? Der mit Klischees des Alters spielt, nur um sie im nächsten Moment aus den Angeln zu heben? Dann ist „Abgang mit Stil“ genau das Richtige: Die Altschauspieler laufen zur Höchstform auf, ohne überanstrengt zu wirken. Und die Prise Sarkasmus hier und da, aber auch die realen Ängste und Probleme des Älterwerdens gehen hier nicht verloren. Bleibt noch eine Frage offen: Schafft das Trio Infernale den Banküberfall? Schauen Sie es sich an, denn kurzum: „Abgang mit Stil“ ist ein wirklich empfehlenswerter Film und zwar nicht nur für ältere Zuschauer.

Weitere Infos zum Film sowie Trailer und Tickets gibt es unter www.cinestar.de.

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