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Karl-Heinz Kluschke: Vorsicht vor dem Holzbock – und wer nachts auf das Piratenschiff aufpasst

15. November 2012 von

Das neue Logo der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel.

Die BA, hinlänglich bekannt als Bundesagentur für Arbeit, ist nun nicht mehr in Nürnberg, sondern in unserer Lessingstadt beheimatet. Mehr Arbeitsplätze für Wolfenbüttel, eine Riesenbehörde, welch ein Wirtschaftsfaktor, was für ein Segen. „BA Wolfenbüttel“ wird nun bei den monatlichen Präsentationsterminen der Arbeitslosenstatistik auch als sogenannte Ortsmarke durch die Deutschland- und Weltnachrichten wabbern, wie schön für Björn Reckewell und seine Tourismusförderung. Das neue Logo der BA Wolfenbüttel wurde deshalb gemeinsam mit dem neuen Logo des Lessingtheaters im städtischen Kulturausschuss präsentiert, nur Reckewell war nicht dabei.

Unbestätigten Berichten zufolge versuchte er, das berühmte Fümmelser Piratenschiff mit einem Sattelschlepper an den Rügensteg in den Wolfenbütteler Okerauen zu transportieren, was aber von einem ernstzunehmenden Pulk Erst- und Zweitklässler verhindert wurde. Außerhalb der Schulzeit wird nun der Kreistagspirat Michael Leukert das Schiff bewachen, weil er als Nicht-Landtagskandidat der Piratenpartei nun auch über die nötige Zeit verfüge, heißt es aus seinem Umfeld. Nachtwachen inklusive.

Reckewells Plan scheiterte aber auch daran, dass der vom ihm gecharterte Sattelschlepper von Bürgermeister Thomas Pink kurzerhand nach Drammen in Norwegen beordert wurde, um die 50. Friedenstanne zu verladen. Ab Montag soll das stabile Bäumchen auf dem Stadtmarkt stehen und kurz darauf hell erleuchtet Touristen aus aller Herren Länder nach Wolfenbüttel locken. Ein Bus aus Binz auf Rügen sei schon unterwegs nach Wolfenbüttel, melden die Kollegen des NDR aus dem Landesfunkhaus Schwerin. Was soll ein Rügener auch in Bayern – oder war das umgekehrt?

In Drammen kostet ein Glas Jägermeister zehn Euro. In unserer, seiner Heimatstadt, ist ein Glas des berühmten Kräuterlikörs deutlich günstiger, was sogar Norweger nach Wolfenbüttel locken könnte: Jägermeister trinken und Rügen erleben in einer Stadt – das ist einmalig. Wenn nur schon dieses Piratenschiff in den Okerauen läge…

Unsere historische Altstadt mit der sehenswerten Hertie-Ruine und den modernen Parkhäusern ist immer eine Reise wert: Dr. Andreas Pölking von den GRÜNEN behauptete sogar, allein der Rügensteg in den Okerauen sei ein Grund, warum die Bayern – und auch die Wolfenbütteler – nicht auf Rügen urlauben. Erholung pur und eine Idylle, wie sie noch nicht einmal auf der Original-Ostsee-Insel zu finden ist. Schade nur, dass Pferde samt Reiter diese Perle zwischen Lindenhalle und wildem Müllabladeplatz auch schon für sich entdeckt haben. Ihre Hufe würden regelmäßig die Holzbohlen des Wolfenbütteler Rügenstegs zum Bersten bringen, was die Unfallgefahr erhöhe. Die Stadtverwaltung plant den Steg durch einen Damm zu ersetzen. Kein Steg – kein Rügenfeeling. Und auch der Original-Rügendamm ist nicht wirklich schön, keine Kopie in den Okerauen wert. Klar, dass da einige wenige GRÜNE protestieren.

Rügensteg-Schützer und Reitvereine der Region behaupten, nicht Pferde mit ihrem Gewicht seien Schuld am Verschleiß des Rügenstegs, sondern der Holzbock. Er sei in einigen Teilen des Landkreises aktiv, sogar nachtaktiv, versichern Veterinäre. So musste auch seinetwegen schon der Atzumer Maibaum abgebaut werden. Vorsicht vor dem nachtaktiven Holzbock! Dies ist auch eine wichtige Information für Michael Leukert, denn das von ihm bewachte Fümmelser Piratenschiff ist auch nachts aus Holz.

Die Kanusteg-Freunde aus Groß Stöckheim sollen sich bei Reckewell auch schon um das Fümmelser Piratenschiff beworben haben. Falls doch keine Kanuten kämen, wäre der Kanu-Anlegesteg dann doch nicht ganz umsonst gebaut worden, wenn er denn gebaut werde. Die Groß Stöckheimer SPD, die hinter dem Kanusteg-Antrag steckt, will trotz eigener Interessen den Rügensteg-Schützern helfen. So forderte sie kurzerhand eine Kennzeichenpflicht für Pferde, wohl auch um die dann für die Schäden am Rügensteg haftbar machen zu können. Auch der Adersheimer Ortsbürgermeister soll sich für den Erhalt des Rügenstegs engagieren, ohne dies allerdings mit seinem Ortsrat abgesprochen zu haben.

Für die Pferde soll neben der öffentlichen Elektrotankstelle an der Carl-Gotthard-Langhans-Schule eine solarbetriebene, vollautomatische Haferfutterstelle eingerichtet werden. Schulleiter Peter Walte brachte die Okeraue auch als Vorranggebiet für Windenergie ins Gespräch, was in Ahlum und Dettum für Aufatmen sorgte. Waltes Vorschlag wird jetzt vom Zweckverband Großraum Braunschweig (ZGB) geprüft. Ein Sprecher lässt sich mit den Worten zitieren, dass dort am Rügensteg mit erhöhtem Windaufkommen zu rechnen sei, weil sonst das Fümmelser Piratenschiff dort auch keinen Sinn machen würde.

Die an Waltes Schule mit Hafer gestärkten Pferde sollen dann die Windräder bei Flaute mit Original Rügener Hanfseilen antreiben, um Energie für die Stadtwerke Wolfenbüttel zu erzeugen. Die Strompreiserhöhung wird nämlich eins zu eins weitergegeben, da bleibt nichts für die Stadtwerke übrig. Um den 20-Euro-Gutschein für treue Kunden zu erwirtschaften, müssen nun die Pferde ran.

Sollten sich die Windräder von allein drehen, werden die Pferde für Kutschfahrten benötigt, da Wolfenbüttel nunmal keinen „Rasenden Roland“ hat, der die Norweger und Rügener Touristen bis zum frisch sanierten Holzmarkt fährt, gar nicht weit weg vom Rügensteg. Die Kutschen sollen eigene Kennzeichen bekommen, da sie die Kennzeichen der Pferde überdecken würden. Der Pulk von Erst- und Zweitklässlern hat sich angeblich schon für die Jungfernfahrten angemeldet…


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