Anzeige

Karl-Heinz Kluschke: Post-Bedürftige greifen an

7. September 2013 von

Anzeige

Nach dem Filmstart von „White House Down“ im Cinestar Wolfenbüttel, bei dem eine paramilitärische Einheit den Sitz des amerikanischen Präsidenten stürmt, wollen Surfer wellenreitend zur Sicherheit in der Stadt beitragen. So sollen die Dienstsitze von Bürgermeister und Landrat zumindest nicht von der Oker aus angegriffen werden können.

Um die Sicherheit in der beschaulichen Lessingstadt zu erhöhen, wurde von beiden kommunalen Verwaltungen die Wolfenbüttel-Card eingeführt, mit der sich sozialschwache Wolfenbütteler als sozialschwache Wolfenbütteler ausweisen können. Zusätzlich sollen sie in öffentlichen Einrichtungen Vergünstigungen erhalten. Etwaige Tumulte dieser Bedürftigen sollen so unterbunden werden.

Selbst der Niedersächsische Finanzminister überzeugte sich auf dem Wochenmarkt von der geringen Kaufkraft einer benachteiligten kleinen Käuferschicht. Frisches Obst und Gemüse, gerade zur Mittagszeit durchaus günstig zu erhaschen, steht bei den Fast-Food-Junkies eher unten auf dem Speiseplan. Umso größer ist die Freude über die Ansiedlung eines weiteren Schnellrestaurants im Landkreisgebiet mit Autobahnanschluss zur A 39 in Cremlingen. Den dort ständig auf Diebestour befindlichen Nachtaktiven ist der Weg bis zum Fast-Food-Restaurant in der  Gebrüder-Welger-Straße nicht zumutbar, obwohl sie doch in Cremlingen ständig auch Diesel abzapfen. Dies taten sie auch auf dem Müllplatz, wo sie zusätzlich eine Rüttelplatte erbeuteten. Damit könnte das Landratsamt oder das Rathaus angegriffen werden.

Das Fast-Food-Unternehmen will die Ansiedlung in Cremlingen nicht bestätigen, bevor nicht die Wasserleiche im örtlichen Kiesteich gefunden wurde. Wenn es denn überhaupt eine gibt. Die Polizei hat die Suche nach ihr eingestellt und stattdessen 58 Autofahrer im Wolfenbütteler Berufsverkehr geblitzt, die nur brav ihrer staatsbürgerlichen Pflicht des Steuernverdienens nachkommen wollten und einfach nur spät dran waren. Sie zahlen nicht nur gern Steuern, um unter anderem Wolfenbüttel-Cards zu finanzieren, sondern darüber hinaus auch noch gern Verwarn- und Bußgelder. Auch die kommen den öffentlichen Haushalten zugute, um das Leid der Card-Bedürftigen zu mildern. Zeitgleich waren die meisten Card-Bedürftigen noch im Bett und sind somit der Blitzerfalle entgangen, auch zehn Tischlergesellen wurden freigesprochen.

Post-Bedürftige begannen damit, Briefkästen aufzusprengen, Stichflammen werden aus Elektroherden gepresst, Verteilerdosen schmoren vor sich hin und vermehrt liegt beißender Brandgeruch über der Stadt. Ähnlich dem gefühlten Geruch im Kinosaal, als der Held des Films das erste Geschoss des Weißen Hauses anzündete, um die Sprinkleranlage in Gang zu setzen. In Wolfenbüttel ist es nicht mehr sicher. Wölfchen und Büttelchen flüchteten in den Harz. Es brodelt in der Stadt. Von einem sozialen Flächenbrand ist die Rede – nur nicht bei allen, manche reden gar nicht.

Um die Feuergefahr beim Einrichten von Straßensperren und brennenden Barrieren einzudämmen, soll es keine Wolfenbüttel-Souvenirs aus Holz geben. Lieber aus natürlichem Kunststoff. Der Kreistagspirat trat schnell noch zur Linkspartei über. Sollte es zu einem Sozial-Neid-Debakel in unserer Lessingstadt kommen, kann er seine Augenklappe und sein Holzbein verschwinden lassen und ausrufen „Seht her, ich bin einer von Euch!“ Eine solche Weitsicht hatten ihm die Kreistagsabgeordneten der anderen etablierten Parteien gar nicht zugetraut.

Die Politik in Stadt und Kreis steuert aktiv gegen die subjektiv wahrgenommene Bedürfnisdebatte. Um die Bedürftigen zu beruhigen oder abzulenken, haben sich die Verantwortlichen einiges einfallen lassen, um einen Sturm auf den historischen Ratssaal oder den Kreissaal abzuwenden. In der IGS Wallstraße spielen die Schüler in ihrer Mittagspause „Reise nach Jerusalem„, der ADFC ruft zu Atom-Alarm-Fahhradtouren auf, die Feuerwehren veranstalten einen Paddelwettbewerb, Groß Stöckheim pflanzt Bäume und eilig eingeladene internationale Chöre singen die Stadt schön. Also schöner. Schöner als sie ohnehin schon ist. Krambuden klingt nicht nur gut, nein schmeckt auch lecker. Süß und saftig – eine Mark und 80. Das sind heute rund 90 Cent. Wer soll das für ein leckeres Teilchen noch bezahlen? Krambuden, das wird der nächste soziale Brennpunkt. Wie in „White House Down“ wurde schon das Militär gerufen und wird zur Kulturnacht aufmarschieren.

Sollte die Reise nach Jerusalem zu lange dauern, werden die Teenager mit einer Neuauflage des Summertime-Festivals bei Laune gehalten. Sozial-besorgt wie man heutzutage ist, wird den jungen Menschen ein Fußmarsch, wie ihn ihre Eltern und Großeltern nach der Disko noch bewältigen konnten, erspart. Die Blitzeropfer und die Arbeitenden sorgen ja für volle Kassen und so kann sogar ein Spätbus eingesetzt werden. Die Fußmärsche der ganz späten – also eher frühen – Heimkehrer werden dann am Folgemorgen als Wolfenbütteler Stadtlauf getarnt, also deklariert. Damit niemand hinterher behaupten kann, Bus-Bedürftige hätten mal ein paar Meter zu Fuß gehen müssen…


Anzeige
Anzeige
Medienpartner
Anzeigen
Kontakt zur Redaktion
Sie erreichen unsere Redaktion 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche per
E-Mail: wolfenbuettel@regionalheute.de
und montags bis freitags von 9 Uhr bis 17.30 Uhr per
Telefon 05331 / 88 27-15
Anzeigen
Telefonnummern
Apotheken-Notdienst: 22 8 33
Ärztliche Bereitschaftspraxis: 05331-8553990
DRK Kreisverband Wolfenbüttel, Servicestelle: 05331- 9750 200 DRK Kreisverband Wolfenbüttel, Servicestelle: 05331- 9750 200
Elterntelefon: 0800 111 0 550
Feuerwehr-Notruf: 112
Frauenschutzhaus Wolfenbüttel: 05331-41188
Gift-Notruf: 0551 / 19 24 0
Hospizverein Wolfenbüttel: 0171/6226606
Kartensperrungs-Notruf (für alle): 116 116
Kinder- und Jugendtelefon: 0800 / 111 0 333
Klinikum Wolfenbüttel: 05331-9340
Landkreis Wolfenbüttel: 05331-840
Polizei-Notruf: 110
Rettungsdienst-Notruf: 112
Stadt Wolfenbüttel: 05331-860
Strom-Gas-Wasser-Störungsstelle der Stadtwerke Wolfenbüttel: 05331-408111
Technisches Hilfswerk (THW) Wolfenbüttel: 05 33 1 / 96 99 40
Telefonseelsorge (evangelisch): 0800 / 111 0 111
Telefonseelsorge (katholisch): 0800 / 111 0 222
Weisser Ring Opfertelefon: 116 006