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Hinrichtungsopfer: Schüler sollen Gedenkort gestalten

13. Februar 2018 von
Schüler sollen bei einem Ideenwettbewerb einen Gedenkort für die 217 Opfer der Hinrichtungsstätte Wolfenbüttel entwerfen. Fotos: JVA Gedenkstätte
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Wolfenbüttel. Die Stadt Wolfenbüttel und die Gedenkstätte der JVA Wolfenbüttel rufen Schüler ab der 10. Klasse zu einem Ideenwettbewerb auf. Sie sollen einen Gedenkort für die 217 Opfer der Hinrichtungsstätte Wolfenbüttel entwerfen, der auf dem Gräberfeld 13a des Hauptfriedhofs entstehen soll.

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Im Strafgefängnis Wolfenbüttel wurde im Jahr 1937 eine der zentralen Hinrichtungsstätten in Norddeutschland eingerichtet. Mindestens 138, vielleicht sogar bis zu 217 der dort 527 hingerichteten Menschen wurden jedoch nicht beerdigt, sondern an das Anatomische Institut Göttingen „abgegeben“. Mit der Zerstörung des Instituts durch einen Bombentreffer wurden auch die Dokumente über diese Menschen vernichtet. Niemand weiß, was mit den Leichen passiert ist. „Das herauszubekommen ist so gut wie unmöglich“, weiß Dr. Gustav Partington von der Gedenkstätte der JVA. Viele Versuche, etwas über den Verbleib und die Identität der Menschen zu erfahren, scheiterten. Ihr weiterer Verbleib ist bis heute unbekannt, und die Familienangehörigen dieser Opfergruppe haben keinen Ort der Trauer. 

Bis zum 15. März 1945 wurden mindestens 527 Menschen hingerichtet, die von der nationalsozialistischen Justiz zum Tode verurteilt worden waren. Die Toten wurden in der Regel entweder auf dem Hauptfriedhof Lindener Straße oder auf dem katholischen Friedhof am Jahnstein in Einzelgräbern bestattet. Im Jahr 2015 erhielten die auf dem Gräberfeld 13a, Hauptfriedhof Lindener Straße, bestatteten Hingerichteten individuelle, namentlich gekennzeichnete Granitstelen. Mindestens 217 Leichen wurden jedoch nicht beerdigt, sondern für Forschungszwecke an das Anatomische Institut Göttingen abgegeben. Jährlich lädt die Gedenkstätte anlässlich des Jahrestages der Befreiung des Strafgefängnisses Überlebende und Familienangehörige zu einer Gedenkfeier ein.

Hier soll der Gedenkort entstehen.

Angehörige wollen Ort zum Trauern

Während des Treffens 2017 baten Familienangehörige der nach Göttingen überführten Opfer darum, angesichts fehlender Gräber eine Erinnerungsstätte als Ort der Trauer und des Gedenkens einzurichten. „Dieser Wunsch wurde erstmals bei dem jährlichen Gedenkgottesdienst 2017 in der Öffentlichkeit kommuniziert. Die Stadt Wolfenbüttel nahm diese Anregung auf und schlug einen Ideenwettbewerb unter weiterführenden Schulen für interessierte Schüler ab der 10. Klasse vor, um einen solchen Erinnerungsort auf dem Gräberfeld 13a des Hauptfriedhofs zu schaffen“, berichtet Simona Häring von der JVA Gedenkstätte.

Haben gemeinsam den Wettbewerb ins Leben gerufen: Bürgermeister Thomas Pink, Alexandra Hupp vom Kulturbüro, Marcus Nier (MAN) sowie Simone Häring und Gustav Partington von der JVA Gedenkstätte. Foto: Anke Donner

Eingebunden werden weiterhin der langjährige Projektpartner MAN Truck & Bus AG Salzgitter, dessen Auszubildende Messingplaketten herstellen, damit an jede Person dieser Opfergruppe individuell erinnert werden kann. Wie genau der Ort der Erinnerungen aussehen soll, bleibt den Schülern und ihrer Kreativität überlassen, so Partington. Lediglich einige Vorgaben wurden gemacht. Die Fläche wurde bereits ausgesucht und alle bis dahin bekannten Namen der Opfer sollen sich auf der Gedenkstätte wiederfinden. 138 Namen sind bisher bekannt. 

Schon im Dezember hat die JVA-Gedenkstätte Schulen angeschrieben. „Die Resonanz ist bisher ganz gut. Es haben sich zwei Schulen aus Braunschweig und die IGS Wallstraße aus Wolfenbüttel gemeldet. Es gab sogar schon eine erste Führung, und die Schüler haben hier schon viele Ideen hervorgebracht. Wir würden uns wünschen, wenn sich noch mehr Schulen für den Wettbewerb begeistern könnten“, so Partington.

So läuft der Wettbewerb

Für die teilnehmenden Schüler ist es verpflichtend, zwischen dem 6. und 16. März an einer Führung durch die Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel und zum zukünftigen Standort teilzunehmen. Anmeldungen dazu müssen ab 19. Februar mindestens 14 Tage vor der geplanten Führung erfolgen.

Eine Jury mit Vertretern der Stadt Wolfenbüttel, der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel, von MAN Truck & Bus AG Salzgitter sowie unabhängigen Experten werden dann drei herausragende Entwürfe für den Erinnerungsort benennen, die mit 300, 200 und 100 Euro prämiert werden. Nach technischer, finanzieller und organisatorischer Prüfung soll einer der ausgewählten Entwürfe realisiert. Das Gewinner-Modell soll am 17. Juni vorgestellt und ausgezeichnet werden. 

Eine formlose Anmeldung zum Wettbewerb muss bis Freitag, 6. April, unter folgender Mailadresse eingegangen sein: gustav.partington@stiftung-ng.de. Stichtag für die Abgabe der Wettbewerbsbeiträge ist Freitag, 25. Mai 2018. Am Sonntag, 17. Juni 2018 ist die öffentliche Preisverleihung geplant. Weitere Informationen sind bei Dr. Gustav Partington (05331 807-344) oder Simona Häring (05331 807-341) von der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel erhältlich.

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