Fukushima-Ausstellung in der Trinitatiskirche eröffnet


In der Trinitatiskirche wurde eine Ausstellung zu Fukushima eröffnet. Foto: Koch
In der Trinitatiskirche wurde eine Ausstellung zu Fukushima eröffnet. Foto: Koch

Wolfenbüttel. Am Vorabend des Fukushima-Jahrestages wurde in der Trinitatiskirche in Wolfenbüttel eine dreiteilige Ausstellung eröffnet, die nun bis zum 28. April jeweils von Dienstag bis Samstag von 11 bis 16 Uhr zu sehen ist.


Es geht um die Themen: „Das Kreuz von Tschernobyl und Fukushima – der Strich durch die Natur ist zerbrochen“, „Das Kreuz von Asse und Konrad“ und „Die Entdeckung der Radioaktivität – durch Wolfenbütteler Wissenschaftlern“. Die musikalische Begleitung dieser Eröffnungsveranstaltung übernahmen Ala und Gennady Vinogradskij aus Oschersleben mit Akkordeon und Domra (einem weißrussischen, historischem Instrument) sehr einfühlsam und dem Anlass entsprechend.

Nach der Begrüßung von Pfarrer Stefan Lauer sprach Sozialdiakon i. R. Paul Koch als Initiator und Organisator der Ausstellung über die Hintergründe, Konzept und Ziel dieser Ausstellung.Die selbstgestellte Frage: „Warum eine Ausstellung zu Tschernobyl nach über 30 Jahren?“ beantwortete Paul Koch so: „Weil die Zeit nicht alle Wunden heilt, und weil die Zeit bei manchen Halbwertzeiten zur Ewigkeit wird.“ Mit Hinweis auf die aktuellen Jod 131-Werte die im Januar europaweit gemessen wurden und auch mit aktuellen Informationen zu Tschernobyl und Fukushima, beklagte er den 1959 geschlossenen Vertrag zwischen der „Internationale Atomenergie-Organisation“ (IAEO) und der Welt-Gesundheits-Organisation (WHO). In diesem Vertrag schreibt sich die IAEO das Recht fest, dass die WHO keine gesundheitlichen Expertisen oder Studien im Zusammenhang mit Radioaktivität veröffentlichen darf, die nicht vorher von der IAEO genehmigt wurden. Nicht die WHO, sondern die IAEO legt Grenzwerte der Radioaktivität fest und empfiehlt der japanischen Regierung doch einfach den internationalen Grenzwert um das 20fache zu erhöhen. Wenn man weiß, dass es das Hauptziel der IAEO ist, die Atomenergie zu fördern, hindert dieser Vertrag die WHO daran, die Bevölkerung ausreichend vor den gesundheitlichen Risiken der Atomenergie zu schützen. Die Ärztevereinigung IPPNW hat schon mehrfach auf dieses Problem hingewiesen.

Zeitzeugin berichtete


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Die Fukushima-Zeitzeugin Shinobu Katsuragi berichtete. Foto:



Shinobu Katsuragi beschrieb wie sie im März 2011 das Erdbeben und den folgenden Tsunami sowie die Reaktorkatastrophe in Japan in der Stadt Osaka erlebte. Einige Zeit später kamen viele „Strahlenflüchtlinge“ von Fukushima nach Osaka, den sie mit anderen zusammen Unterstützung anbot.

Der Schirmherr der diesjährigen „Europäischen Aktionswochen für eine Zukunft von Tschernobyl und Fukushima“ in der Region Braunschweig, Staatsekretär Jörg Röhmann und Propst Dieter Schultz-Seitz begannen ihre Grußworte zur Ausstellungseröffnung mit persönlichen Erinnerungen an die Zeit vor mehr als 30 Jahren, als von der Tschernobyl Katastrophe berichtete wurde und die Auswirkungen dieser Katastrophe auch bei uns deutlich in Erscheinung traten. Das schriftliche Grußwort von Landesbischof Dr. Christoph Meyns wurde in die Ausstellung integriert und kann von jedem Besucher gelesen werden.

Pfarrer Rolf Adler, Umweltbeauftragter der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig ging in einem Kurzstatement auf das Thema „Kreuz“ aus theologischer Sicht ein und meinte, Kreuze kann man nicht „ausstellen“ sondern nur „darstellen“. Dr. Benno Dalhoff stellte seine Ausstellung „Das Kreuz von Tschernobyl und Fukushima – der Strich durch die Natur ist zerbrochen“ mit zahlreichen, meist großflächigen Objekten vor. Unter anderem gefüllte schwarze Müllsäcke die an die japanische Art der Atommüll-Entsorgung hinweisen soll. Großformatige Fotos aus der Tschernobyl-Region und die grafischen Darstellungen der radioaktiven Wolken von Tschernobyl und Fukushima, runden diesen Ausstellungsteil ab.

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Schirmherr, Staatssekretär Jörg Röhmann. Foto:



Das Bolivianische Schöpfungskreuz, dass derzeit in unserer Region unterwegs ist und zweitweise auch in der Ausstellung zu sehen sein wird, ist ein kleiner Ersatz für das Asse-Kreuz, das vor den Toren der Schachtanlage Asse II steht und aus technischen Gründen leider nicht nach Wolfenbüttel gebracht werden konnte. Daneben sind auch zwei Kreuze zu sehen, die bei „Konrad-Gottesdiensten“ zum Einsatz kommen. Die kirchlich, seelsorgerliche Arbeit im Bereich Asse und Konrad wird in einer kleinen Dokumentation dargestellt. Zum Thema Asse und Konrad stellen sowohl die Bürgerinitiativen „aufpASSEn e.V.“ als auch „AG-Schacht-Konrad e.V.“ Informationen zur Verfügung. Abgerundet wird der Informations- und Prospektbereich durch reichhaltige Informationen des Bundesamtes für Strahlenschutz.

Mit der Frage: „Wie hat das eigentlich alles mit der Radioaktivität angefangen?“ beschäftigt sich der dritte Teil der Ausstellung. Die natürliche Radioaktivität war natürlich von Anfang an da, nur, man hat sie nicht als solche wahrgenommen, man keine Ahnung von Radioaktivität, bis, ja, bis Wolfenbütteler Wissenschaftler die Radioaktivität entdeckt und immer weiter erforscht haben. Die Arbeitsweise von Julius Elster und Hans Geitel. (1854-1923) ihre Forschungsergebnisse und die weltweite Zusammenarbeit mit anderen Strahlenwissenschaftlern stellt Lehrer i.R. Rudolf Fricke auf 4 Info-Tafeln vor.


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