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Dag Wachsmann hängt Eulenspiegel-Kappe an den Nagel

26. Dezember 2017 von
Dag Wachsmann war über zehn Jahre der Mensch gewordene Till Eulenspiegel - nun hört er auf. Foto: Marian Hackert
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Schöppenstedt. Zehn Jahre mimte und lebte er die Figur des Eulenspiegels und machte die Geburtsstadt des Narren über die Grenzen Niedersachsens noch bekannter. Nun ist damit Schluss - Dag Wachsmann hängt die Narrenkappe an den Nagel. Mit regionalHeute.de sprach er über die vergangenen Jahre, die schönsten Erlebnisse und über seinen potentiellen Nachfolger.

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Eigentlich sei er gar nicht so sehr in Schöppenstedt verwurzelt gewesen, erinnert sich Dag Wachsmann an den Anfang seiner Geschichte, in der Till Eulenspiegel einen zentralen Platz in seinem Leben einnehmen sollte, zurück. Vor zehn Jahren begleitete der NDR die Suche nach einem neuen Darsteller des Eulenspiegels. „Schon die Suche begann mit einem Drama, was sicher ganz im Sinne Tills gewesen wäre“, blickt Dag Wachsmann zurück. Denn der potentielle neue Eulenspiegel wurde nach der sechsten ausgestrahlten Sendung verhaftet. „Da hatten die Verantwortlichen im Vorfeld wohl schlecht recherchiert“, feixt Wachsmann. Im Ort und vor allem beim Fernsehsender sorgte die Verhaftung für Aufruhr – ein neuer Till musste schnellstens her. 

„Ich war auf der Suche nach etwas Neuem“

96 Geschichten gibt es rund um Till Eulenspiegel. Foto: Michael Bürkner

„Ich habe davon aus der Zeitung erfahren. Da ich ohnehin auf der Suche nach etwas Neuem beziehungsweise nach einem Ausgleich zu meinem Beruf war, meldete ich mich bei der damaligen Samtgemeindebürgermeisterin Ruth Naumann“, schildert der gelernte Heilerziehungspfleger den Beginn. Und schon wenige Tage später war er mit dem NDR unterwegs – damals noch ohne Kostüm. Nach sechs Wochen leitete Dag Wachsmann dann erstmals eine Stadtführung. „Es gab da so viel zu lernen. Stadtgeschichte, Eulenspiegel-Geschichte, über das Mittelalter und und und“, erklärt er. Allein, dass es 96 Geschichten über Eulenspiegel gibt, sei vielen gar nicht bewusst, führt der gebürtige Groß Dahlumer weiter aus. Doch nicht nur diese Geschichten, auch das Eintauchen in das späte Mittelalter hat dem „neuen“ Till großen Spaß gemacht. Doch nur durch den Druck des Fernsehens, sei der Prozess so schnell möglich gewesen.

Im Podcast blickt Dag Wachsmann auf die vergangenen Jahre und die schönsten Erlebnisse zurück. Darüber hinaus gibt er seinem potentiellen Nachfolger wertvolle Tipps mit auf den Weg.

Till am Pranger. Eine typische Szene des Mittelalters. Foto: Frank Meier-Maletz

„Till wurde immer mehr…“

Zunächst folgten nur sporadische Auftritte, doch diese wurden bald zur Regelmäßigkeit. „Ich musste mein Wissen zusehends erweitern, vor allem über die Region und die umliegenden Dörfer. Denn mit reinen Zahlen und Fakten kann man nur schwer begeistern.“ So ist es Dag Wachsmann im Laufe der Zeit gelungen, die Geschichte der Region als Show zu verpacken. Die Auftritte wurden immer mehr und für Werbezwecken musste der Eulenspiegel-Darsteller schon bald durch die ganze Nation reisen, Messen und Märkte besuchen. „Ich weiß nicht wie viel tausend Flyer ich verteilt habe, um die Menschen in unsere Region zu locken“, so Wachsmann. Bald kamen auch Kooperationen mit dem Schöninger „paläon“, den Zeitorten und dem Tourismusverband hinzu. „Till wurde immer mehr. Mir ging es damit nicht mehr gut. Ich musste mich irgendwann zwischen der Arbeit und Till entscheiden,“ erörtert Dag Wachsmann.

„Ich wurde auch privat als Till angesprochen“

Für anderthalb Jahre war Dag Wachsmann sogar hauptberuflich als Till unterwegs. Foto: Reinhard Scholz

So entschied er sich zunächst für Till und damit gegen seine Arbeit als Heil- und Erziehungspfleger. Für anderthalb Jahre war er hauptberuflich als Till Eulenspiegel bei der Stadt angestellt. Darüber hinaus arbeitete er auch in der Tourismusabteilung der Samtgemeinde. Doch auch dieser Wechsel brachte nicht die erwünschte Wirkung. „Ich fühlte mich zunehmend ausgebrannt“, erklärt Dag Wachsmann. Aus dem Spaß und Vergnügen sei letztlich ein Job geworden, der mit viel harter Arbeit verknüpft war. Auch wurde die Identifikation mit der Figur „Till Eulenspiegel“ immer stärker. „Auch wenn ich als Privatperson in der Stadt unterwegs war, sprachen mich die Leute als Till an“, schildert Dag Wachsmann die Situation. Dennoch machte ihm das Spielen des Narrens großen Spaß. 

Hätte beim Till bleiben sollen

„Im Endeffekt hätte ich beim Till bleiben und nicht noch Touristik hinzunehmen sollen“, so Wachsmann. Die Anstrengungen aus beiden Bereichen waren zu groß. „Ich kann mir für den neuen Till auch nur wünschen, nicht diese Kombi zu machen. Eins geht nur.“ Das musste Dag Wachsmann leidvoll erfahren. Trotzdem war es das Spiel, das er so sehr liebte. So war es ihm wichtig, einen authentischen Till zu verkörpern. „Till war ja per se kein guter Mensch, sondern eher ein Grenzgänger. Seine Fiesheiten habe ich stets versucht, amüsant zu verpacken“, erklärt Wachsmann. Dabei gebe es gar keinen wissenschaftlichen Nachweis über seine Geburt. „Till ist aller Wahrscheinlichkeit nach eine Romanfigur“, so der ehemalige Darsteller.

Maßgeblich unterstützt habe ihn vor allem zu Beginn Vorgänger Wilfried Meinecke. „Wilfried hat mir sehr geholfen in die Rollen hinein zu finden,“ so Wachsmann.

Ein Dank an alle Schöppenstedter

Auch das Lautenspiel gehörte zum Repertoire des Eulenspiegels. Foto: privat

Für den neuen Till wird diese Einfindungphase wahrscheinlich dennoch einfacher anlaufen: „Mich gibt es ja in diesem Sinne schon nicht mehr. Der neue Till wird freier sein in seiner Interpretation“. Auch will ihm Dag Wachsmann gern beratend zur Seite stehen – vielleicht sogar gemeinsam mit seinem Vorgänger Wilfried Meinecke. So könnte der potentielle Eulenspiegel auf einen riesigen Erfahrungsschatz zurückgreifen, auch wenn es natürlich Vergleiche geben wird. Davon soll sich „der Neue“ laut Dag Wachsmann aber nicht abschrecken lassen.

Einen abschließenden Dank sprach der „alte Till“ den Schöppenstedter Bürgern aus. Diese hätten die Führungen erst so richtig lebendig gemacht. „Till hat zum Stadtbild dazugehört und wird es irgendwann wieder tun“, ist sich Dag Wachsmann sicher. Die Stadt wird sich im kommenden Jahr auf die Suche nach einem neuen Till machen – Dag Wachsmann hat mit seinem Engagement, seiner Hingabe und Authentizität große Fußstapfen hinterlassen. 

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