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Bürger Museum: „Saftige Diskussion“ um „übergriffigen“ Antrag

23. Oktober 2017 von
Museumsleiterin Dr. Sandra Donner (oben) wehrte sich gegen einen Antrag der Gruppe Linke/Piraten. Andrè Owczarek (unten) verteidigte diesen. Fotos: Archiv. Foto Owczarek: Ralph-Fischer Design
Wolfenbüttel. Das war eine saftige Diskussion, wie Bürgermeister Pink die gut 30-minütige Debatte über einen Antrag der Gruppe Linke/Piraten zum "Bürger Museum" im jüngsten Kulturausschuss beschrieb. Ein Antrag, den Museumsleiterin Dr. Sandra Donner als "ziemlich übergriffig" formuliert empfand und der auf wenig Gegenliebe bei den übrigen Ausschussmitgliedern stieß.

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Die Stadtratsgruppe Linke/Piraten hatte sich mit der Ausstellung im „Bürger Museum“ auseinandergesetzt und daraufhin einen Antrag auf inhaltliche Ergänzungen und Veränderungen dieser gestellt (hier nachzulesen). So forderte die Gruppe Dokumente zur rassischen Verfolgung im deutschen Faschismus und zur Flucht und Zwangsumsiedlung aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten getrennt voneinander auszustellen. Weiterhin solle es über Fritz Fischer eine Informationstafel geben, die im selben Bereich des Museums wie die über Werner Schrader angebracht werde. Einen Text für die Tafel lieferte die Gruppe Linke/Piraten im Anhang ihres Antrages gleich mit. Und auch über den Lehrer Samuel Spier wünscht sich die Gruppe künftig eine Informationstafel. In zwei weiteren Punkten bittet man darum den Ausstellungstitel des Bereiches zur Nachkriegszeit in „Kontinuitäten und Neuanfänge“ umzubenennen sowie den Text zur Visualisierung des Ausstellungsobjektes zur Konditorenschule Lambrecht um weitere Hinweise zu ergänzen.

Respekt gegenüber musealer Arbeit gefordert

Dr. Sandra Donner. Archivfoto: Sina Rühland

Dr. Sandra Donner. Archivfoto: Sina Rühland

Doch dieser Antrag schießt für die Historikerin und Museumsleiterin Dr. Sandra Donner über das Ziel hinaus. „Ich denke es ist an der Zeit zu diesem Thema wirklich mal die Frage zu stellen, wo ist die Grenze der politischen Diskussion der Gremien und wo beginnt die Kompetenz des Fachbereichs. Wo beginnt die Freiheit von Wissenschaft und Forschung und wieweit darf ein politischer Beschluss in operatives Handeln in unserer musealen Arbeit auch wirklich eingreifen?“, so Donner und fügt hinzu: „Ich respektiere zutiefst jegliche politische Arbeit und alle Fraktionen im Rat, aber diesen Respekt erwarten wir auch uns gegenüber.“

Sicherlich könne man die Wolfenbütteler Geschichte auch anders erzählen und man könne auch andere Schwerpunkte setzen, erklärt die Historikerin, aber aus der fast 900-jährigen Geschichte könne man nun mal nur fünf Prozent abbilden. „Wir tun dies auf Grundlage unserer wissenschaftlichen Ausbildung und auf Basis vorliegender Forschungsergebnisse. Anregungen, mit welchen Themen wir uns beschäftigen können, nehmen wir gerne an, aber die Ergebnisse dieser Beschäftigung müssen dann auch respektiert werden“, sagt sie. Es könne nicht sein, dass eine politische Gruppierung Vitrinen-Texte oder Überschriften formuliere und auch historische Deutung diktieren wolle. „So kann man diesen Antrag verstehen. Ich fand dies hier schon ziemlich übergriffig in der Formulierung wie es hier auf dem Papier steht“, bezieht Donner Stellung.

Owczarek: „Antrag ist eine Bitte“

André Owczarek, DIE LINKE. Foto: Ralph-Fischer-Design

Doch André Owczarek (Linke), der den Antrag seiner Gruppe im Kulturausschuss vertrat, hält dagegen. „Gegen den Vorwurf, dass wir da politisch in die Museumsleitung eingreifen würden wollen, möchte ich mich verwahren“, verteidigt er und verdeutlicht, dass der Antrag lediglich eine Bitte sei. „Das soll einfach ein Vorschlag sein, um das Ganze konstruktiv zu machen, um zu zeigen man hat sich damit beschäftigt und wir haben da eine Idee und so könnte man sich das vorstellen“, erklärt er die Intention des Antrages. Der Kulturausschuss hatte im vergangenen Jahr die Einrichtung eines das „Bürger Museum“ begleitenden Kuratoriums abgelehnt. Die Vertreter von CDU und SPD verwiesen seinerzeit auf die bestehende Möglichkeit der Einflussnahme durch den Ausschuss. Und auf eben jene wollte sich die Gruppe Linke/Piraten nun beziehen.

Zwar kam es dann zwischenzeitlich doch noch zur Diskussion über einzelne Punkte des Antrages und die Mitglieder tauschten sich über die Persönlichkeiten Fritz Fischer und Werner Schrader aus und darüber wann man nun ein „Widerstandskämpfer“ sei, doch am Ende blieb es dabei, dass die anderen Parteien die Entscheidungshoheit der Ausgestaltung der Ausstellung bei der Museumsleitung sahen. Man störte sich an der Form des Antrages und riet Owczarek, diesen zurückzuziehen und als formlose Bitte wieder einzureichen. Der Antrag wurde folgend von der Gruppe Linke/Piraten zurückgezogen. Owczarek kündigte eine Überarbeitung an, die er noch am Abend nach der Sitzung in einer Pressemitteilung bekräftigte. Den Inhalt veröffentlichen wir an dieser Stelle unkommentiert und ungekürzt.

Pressemitteilung der Linken

„Ich habe nach einer längeren und teilweise hitzig und emotional
aufgeladenen Debatte den Antrag meiner Gruppe heute zurückgezogen, um
die Gelegenheit zu haben, ihn im Sinne der gemachten konstruktiven
Vorschläge zu überarbeiten. Unsere Gruppe muss jetzt überlegen, wie wir
weiter vorgehen, denn unser Anliegen, im Bürger Museum mehr Geschichte
von Unten zu erzählen, ist noch nicht vom Tisch.

Ich finde es persönlich sehr schade, dass der Antrag anscheinend
stellenweise missinterpretiert worden ist und von manchen
Ausschussmitgliedern nicht anhand des eigentlichen Inhalts, sondern auf
Grundlage der Unterstellung, man wolle die Expertise der Museumsleitung
untergraben, debattiert worden ist. Dieses Szenario wollten wir
eigentlich mit sehr überlegten Formulierungen vermeiden.

Andererseits freut es mich, dass Teile des Antrags durchaus positiv als
Anregungen aufgenommen worden sind. Trotzdem bleibe ich dabei, dass mir
ein eindeutiges Votum des Kulturausschusses lieber gewesen wäre. Um ein
solches werde ich weiter werben, hierfür muss der Antrag aber
überarbeitet werden. In der vorliegenden Form, das zeichnete sich
schnell ab, wäre er einfach abgelehnt worden. Das Andenken Fritz
Fischers, auch und gerade in der Relation zur problematischen Vita
Werner Schraders, ist mir zu wichtig, als es einem sturen Festhalten an
einzelnen Formulierungen zu opfern.“

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